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Michael Bartz, Prof. IMC FH Krems

“Divide et impera” war das Thema meines letzten Home Office Tips. Wobei ich ich nur auf den ersten Teil eingegangen bin: das Teilen (divide), und zwar das Teilen des elektronischen Kalenders. Was ist also mit “impera” – dem Herrschen – gemeint? Ein Microsoft-Mitarbeiter hat mich in einem Interview mit der Aussage aufgerüttelt: “Du musst über Deinen Kalender herrschen.” Ach so. Ist das so? Dann hat er es mir erklärt, sinngemäss: Wenn ich mir nicht die Zeiten im Kalender einteile, die ich für meinen Job brauche, dann bucht die ganze Firma beliebig in meinen Kalender hinein. Dann bin ich fremdbestimmt.

Und dann hat er mit erklärt, was er alles, wie in seinen Kalender einträgt. Was er mir erklärt hat, stimmt mit der Praxis einer grossen Menge von BüromitarbeiterInnen überein, wie ich in meinen Felduntersuchungen festgestellt habe. Und das sind die fünf wichtigsten Tips. Quasi die Essenz:

1) Klar. Man trägt sich externe Termine ein. Das ist kein Tip. Aber Best Practice ist, auch Reisezeiten einzutragen, vor allem, wenn sie länger sind. 1 Stunde, 2 Stunden oder mehr. Warum kann das Sinn machen: Option 1, man ist schwer erreichbar in der Zeit, z.B. Zugfahrt durch Hundertausend Tunnel. Jeder Anruf wird hier zum Stress. Dann schreibt man das auch so in den Kalender: Reisezeit, bin nicht oder schwer erreichbar. Option 2, sie sind zum Beispiel mit dem Auto unterwegs und das ist eine ideale Zeit, sie anzurufen und dauerzutelefonieren. Dann tragen sie das so in den Kalender ein: Reisezeit im Auto, ruft mich gerne an in der Zeit.

2) Interne Meetings eintragen. Eh klar. Aaaber nicht für alle und in allen Firmen. Deswegen möchte ich es zumindest erwähnen.

3) Viel wichtiger: Eigene Arbeitsblöcke eintragen. Sie haben an einem Konzept, einer Analyse, einer Präsentation, etc. zu arbeiten. Dann tragen sie das ein. Zum Beispiel so: Präsentationsvorbereitung, bitte nicht stören und keine Meetings hier buchen. So beginnen Sie, über ihren Kalender und somit ihre Zeit zu herrschen (impera).

4) Tragen Sie auch ihre Home Office Tage oder Zeiten ein. Das setzt gleich die Erwartungen richtig, dass sie in diesen Zeit zwar an Meetings teilnehmen können, aber halt nicht physisch. Sondern über Videokonferenz. Eine wichtige Nebenbemerkung hier: Ich bin schon so vielen verärgerten Vorständen begegnet, die sogar komplette Home Office Programme zurückgezogen haben, weil MitarbeiterInnen starr auf ihren Home Office Tag gepocht haben, obwohl in der Firma die Hölle los war und sie vor Ort gebraucht worden wären. Seien sie mit Home Office Tagen – wie mit anderen Terminen – flexibel in einem gewissen Rahmen. Auch hier gilt: Prioritäten verschieben sich manchmal.

5) Wenn sie supersmart sein wollen, dann befolgen sie auch diesen Best Practice Tip: Tragen sie bestimmte private Termine ebenfalls in den elektronischen Kalender in der Firma ein. Das können zum Beispiel regelmässige Trainingstermine sein, die ihnen wichtig sind und (möglichst) eingehalten werden sollten. Gerade auch Randzeitentermine sind hier wichtig festzuhalten, dass signalisiert in die Firma hinein: Seht zu, dass Meetings möglichst in den Kernzeiten liegen. Aber auf jeden Fall reduzieren sie durch diese Praxis mögliche Terminkonflikte und Stress, die Balance zwischen Berufs- und Privatleben zu halten.

6) Etwas vergessen? Sicherlich. Und wenn es so ist, dann schreiben sie bitte einen Kommentar zu diesem Artikel.

Zu den oben genannten Tips gibt es auch einen relevanten wissenschaftlichen Hintergrund: Durch das Teilen ihres Kalenders und das Mitteilen ihrer Planung über den Kalender schaffen sie ein Stück Shared Context und Shared Identity. Also ein gewisses Verständnis und Einblicke in das, was sie tun. Und sie setzen Erwartungen klar im vorhinein (mit einer gewissen Flexibilität bitte). Deswegen ist Teilen und Herrschen ein guter Tip, der sich in meiner Feldforschung herauskristallisiert hat als nutzbringende Best Practice.

Mehr Informationen zu neuen innovativen Arbeitsformen und Unternehmen der nächsten Generation:

http://nextgenerationenterprise.institute/

http://www.thomasschmutzer.com/

Quelle Bild: http://shop.labbe.de/kronen-des-konigs-und-der-konigin.html

Christoph wandert aus

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Michael Bartz, Andreas Gnesda, Thomas Schmutzer

Christoph ist im Dezember nach Kanada ausgewandert. Mit seiner gesamten Familie. Eigentlich ist Christoph Unternehmer und Eigentümer eines Produktionsunternehmens in Wien mit dem Namen TELE HAASE. Warum ist er dann ausgewandert? Weil die Firma inzwischen wunderbar ohne ihn läuft. Sie wächst und gedeiht.

Aaaah. Werden sie sagen. Er hat einen guten Manager oder eine gute Managerin gefunden? Nein. Falsche Fährte. Christoph hat stattdessen vor über drei Jahren auf Selbstorganisation gesetzt und die Verantwortung schrittweise an die MitarbeiterInnen übergeben.

Aha. Da hat er gute Berater gehabt. Oder sich diesen Holacracy Experten – von wo noch – aus Schottland (oder?) in die Firma geholt. Nein. Auch nicht. Er hat einfach mit seinen MitarbeiterInnen begonnen, sich auf den Weg zu machen. Systematisch, aber gleich in voller Selbstverantwortung. Systematisch insofern, dass im ersten Schritt zunächst Ziele und eine Strategie gemeinsam entwickelt wurden. Dann wurde die Organisation schrittweise angepasst, Transparenz geschaffen, und sicher wurden auch viele Fehler gemacht. Aber Fehler zuzulassen ist auch ein Teil der Veränderungskultur, die man auf dem Weg aufbauen muss. Nach drei Jahren kann man sagen: Die Firma wächst weiter, nur Christoph wird nicht mehr vor Ort gebraucht. Damit hat er genau das erreicht, was er erreichen wollte.

Wer mehr über diese Erfolgsgeschichte erfahren möchte, die genauen Schritte auf dem Weg und die genauen Ergebnisse in Zahlen, Daten und Fakten muss sich nicht mehr lange gedulden. Im Herbst wird Springer Heidelberg den New World of Work Atlas herausbringen, und dieser Erfahrungsbericht wird auch enthalten sein. Hier schon die Einleitung zum Kapitel als kleine Kostprobe:

“Selbststeuerung ist eine neue Arbeits- und Organisationsform, die Unternehmen als organische Organisation betrachtet. Diese Unternehmen agieren vernetzt und funktionieren durch das Prinzip der Selbstorganisation, agile Methoden und kollektive Intelligenz. Dadurch können sie flexibel auf dynamische Umwelten mit wachsender Komplexität reagieren, stets anpassungs- und wandlungsfähig bleiben und im Rahmen ihrer unternehmerischen Verantwortung öko-sozial und ethisch verantwortlich wirtschaften. Um in Zeiten raschem technologischen Fortschritts flexibel auf neue Anforderungen reagieren zu können, hat das österreichische Familienunternehmen TELE Haase Steuergeräte eigenverantwortlich eine neue Organisationsform entwickelt, die seine Mitarbeiter und Prozesse in den Vordergrund stellt und auf klassische Hierarchien verzichtet.

Als Christoph Haase im Jahre 1999 die Arbeit im familieneigenen Betrieb aufnahm, fand er ein konservatives Unternehmen mit starren hierarchischen Strukturen vor. Unter diesen Bedingungen wollte er das Unternehmen, wenn er es einmal übernehmen würde, auf keinen Fall fortführen. Denn, was ihn als Mensch antrieb, war eine tiefe Sehnsucht nach Veränderung in der Arbeitswelt, nach mehr Sinn und Bedeutung. Aus diesem Grund begann den Gedanken zu entwickeln, aus seinem Familienerbe „Das Unternehmen der Zukunft“, zu machen, in dem sowohl Mensch, als auch Organisation ihr volles Potenzial entfalten können. Das Einspielen des neuen „Betriebssystems“, das die Kernbereiche Mensch, Organisation und Technologie umfasst, stellte und stellt bis heute einen tiefgreifenden Organisationsentwicklungs-prozess dar. Es ebnete aber auch den Weg hin zum agilen, lernfähigen Unternehmen.”  …und so weiter, demnächst im New World of Work Atlas im Springer Verlag.

Wer mehr über New World of Work und Unternehmen der nächsten Generation erfahren will:

http://nextgenerationenterprise.institute/

http://www.thomasschmutzer.com/

http://austria.teamgnesda.com/

Auch eine Vormerkung für das Buch ist möglich. Bitte einfach eine Mail an contact@michaelbartz.com schreiben unter Angabe von Vorname und Nachname in der Mail. Sie werden dann informiert, wenn das Buch erscheint und bestellt werden kann.

Quelle Bild: https://wall.alphacoders.com/by_sub_category.php?id=210399

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Michael Bartz, Martin Giesswein, Thomas Schmutzer

In unserer New World of Work Feldforschung stoßen wir in Unternehmen immer wieder exakt auf die selbe Frage: “Wie können wir für unseren Firma herausfinden, wie die neue Welt des Arbeitens bei uns aussehen soll?”.

Die Antwort ist (und darauf setzen 90% der Unternehmen): Es selbst in überschaubarer und risikoarmer Weise ausprobieren. Dann erst bekommt man ein Gespür für die erfolgskritischen Punkte und kann authentisch Aussagen treffen, wie sich das neue Arbeiten anfühlt. Für genau diesen Schritt gibt es die iSUM-Methode des NGE Forschungsinstituts in Wien. iSUM steht für “Inhouse Start-up Monat”.

Mit einem Inhouse Start-up Monat kann man in einem definierten Bereich des eigenen Unternehmens genau das erreichen: Die neue Welt des Arbeitens probieren, spüren und fühlen.

Warum braucht es dafür eine Methode? Und warum einen Start-up? Zunächst: Start-ups sind etwas, das Menschen motiviert und zu Schwung in der Organisation führt. Start-ups scheinen irgendwie aber der Generation Y und einer bestimmten Szene vorbehalten zu sein. Deshalb bringt iSUM bringt den Schwung und die Energie von Start-ups in etablierte Organisationen hinein. Sozusagen: Start-up Power für alle. Und das geschieht in drei Schritten: Gründungsphase, Execution und Exit-Phase.

Gründungsphase

Ein Team von Mit-Gründern von NGE begleitet die Organisation beim Aufsetzen des Start-ups. Es sind eine Reihe von Aufgaben zu erledigen, bevor die Execution beginnen kann und sollte. Welche MitarbeiterInnen kommen für einen Monat in den Start-up, welche Rahmenbedingungen in Bezug auf Organisation, Raum und Technologie sollen geschaffen werden? Die Mit-Gründer bringen genau diese Expertise ein und bringen gemeinsam mit der Organisation das Start-up auf Schiene. Und ganz wichtig ist zu klären, welchen Fokus das Start-up haben soll: Stehen neue offene Arbeitsformen oder Digitalisierung im Fokus des Start-ups. Es lassen sich ebenso auch spezielle Fragestellungen austesten, wie z.B. Genderaspekte. Oder Sie möchten mit dem Start-up in neuer Bereiche einer optimierten Customer Experience vordringen. Das definiert das gemeinsam Team in der Gründungsphase.

Execution-Phase

In dieser Phase ist das Start-up für einen Monat operativ. In dieser Zeit ist es wichtig, dass die MitarbeiterInnen im Start-up an erfolgskritischen Themen arbeiten und auch hier intensiv das Know der Mit-Gründer nutzen, die weiterhin an Bord sind. Zum Beispiel: Wie sollen Spielregeln für die Zusammenarbeit im Start-up aussehen? Oder: Braucht es kulturelle Änderungen? Und mindestens ebenso wichtig ist, in dieser Zeit sehr exakt zu messen, wie es den Menschen in der Execution-Phase ergeht. Das liefert Antworten auf Fragen, wie “Ist die gewählte Form der Zusammenarbeit passend?”, “Ist die im Unternehmen vorhandene IT ausreichend?”, “Wie optimal sind die räumlichen Bedingungen?”.

Exit-Phase

Jetzt wird es noch spannender: Die Mit-Gründer werden mit den TeilnehmerInnen den Start-up Monat aus und bereiten gemeinsam ihren Investoren-Pitch vor. Denn die Aufgabe ist, die erzielten Ergebnisse der Geschäftsführung oder dem Vorstand zu präsentieren und diesen Entscheiderkreis dafür zu gewinnen, in den weiteren Ausbau des Start-ups zu investieren. Dank der Erfolgsmessung in der Execution-Phase lässt sich ein sehr genauer Investment-Case aufstellen, sodass Geschäftsführung oder Vorstand faktenbasierte Entscheidungen treffen können. So wird Spüren und Fühlen in Zahlen und Fakten übersetzt und greifbar.

Wenn Sie interessiert sind, dann wenden Sie sich bitte an das NGE Forschungsinstitut im Palais Eschenbach in Wien: office@nextgenerationenterprise.institute

Mehr Informationen zum Institut: http://nextgenerationenterprise.institute/

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Michael Bartz, Prof. IMC FH Krems

“Divide et impera” war anders gemeint. Trifft aber im übertragenen Sinn einen extrem wichtigen Punkt in Bezug auf mobil-flexible Arbeitsweisen und Home Office.

Bei meinen wissenschaftlichen Untersuchungsreihen stoße ich in Interviews mit ManagerInnen und MitarbeiterInnen immer auf eine zentrale Aussage im Zusammenhang mit mobil-flexiblen Arbeitsweisen und virtuellen Teams: “Der elektronische Kalender ist der Dreh- und Angelpunkt. Ohne ihn geht gar nichts”.

Diese Aussage ist auch erklärlich. Denn wenn man sich im Büro nicht mehr 100% in die Augen sieht und Dinge spontan auf Sicht abklären kann, dann ist der elektronische Kalender ein kritischer Erfolgsfaktor, der Kommunikation und Zusammenarbeit in virtuellen Arbeitsumgebungen zum Laufen bringt. Er ist quasi das Schmiermittel im Getriebe.

Darum der erste Tip: Home Office und sonstige Formen des mobilen Arbeitens setzt voraus, dass alle teilen, und zwar ihren Kalender. D.h. es sollte möglich sein, dass alle in alle Kalender gegenseitig hineinschauen können. Ist das ggf. ein Kulturschock? Sicher in einigen Unternehmen. Doch andererseits ist die Frage berechtigt: Passt die Unternehmenskultur noch, wenn diese Form der Transparenz einen Schock für die Organisation darstellen würde? Das ist ein guter Lackmustest und Indikator dafür, dass womöglich ein nächster Entwicklungsschritt überfällig ist.

Vor diesem Schritt gibt es ganz realistisch noch einen Punkt, den es davor zu erledigt gilt. Und zwar stellt sich die Frage: Führen überhaupt alle MitarbeiterInnen und ManagerInnen einen elektronischen Kalender? Zumindest in den indirekten Bereichen. Also die WissenarbeiterInnen im Unternehmen. Wenn diese Frage mit “Nein” beantwortet werden muss, dann wäre es wichtig, es erst einmal diese Grundvoraussetzung zu schaffen, bevor überhaupt mobil-flexible Arbeitsweisen eingeführt oder im Unternehmen eine breiteren Basis von MitarbeiterInnen zugänglich gemacht werden. Andererseits bietet die Einführung oder Verbreiterung mobil-flexibler Arbeitsweisen im Unternehmen die Möglichkeit, einen guten Deal zu schließen. Dieser Deal lautet: -2Wir führen mobil-flexible Arbeitsweisen ein, wenn alle bereit sind, einen elektronischen Kalender zu führen.p””" Und außerdem: “…wenn alle ihre Kalender dann auch öffnen und teilen.”

Fühlen sie sich jetzt irgendwie ausgegrenzt, wenn die Nutzung und das Teilen elektronischer Kalender kein Standard ist in ihrem Unternehmen? Kein Sorge: Ihr Unternehmen bewegt sich noch in einer Art von Mainstream. Im Rahmen meiner Feldstudien finde ich in drei bis vier von zehn Unternehmen regelmäßig diese Situation vor. Der Mainstream wird jedoch langsam immer mehr zur Nische; aber das dauert noch.

Damit hätten wir das Thema “Teilen” geklärt und den ggf. notwendigen Schritt davor (überhaupt Kalender zu führen) diskutiert. Was hat es jetzt mit dem Thema “Herrschen” auf sich? Diesem Punkt widme ich meinen nächsten Beitrag. Hier wird es darum gehen, welche Best Practices sich identifizieren lassen in Bezug auf die inhaltliche Führung von Kalendern und auf Spielregeln im Umgang mit Kalender im Zusammenhang mit mobil-flexiblen Arbeitsweisen. Hier gibt es viele Learning, Fettnäpfchen und wirklich smarte Vorgehensweisen. Was das mit “Herrschen” zu tun hat? Warten sie ab.

Mehr Information zu neuen innovativen Arbeitsformen und Unternehmen der nächsten Generation:

http://nextgenerationenterprise.institute/

http://www.thomasschmutzer.com/

Quelle Bild: http://www.deutsche-startups.de/2013/07/02/sharing-economy-alle-konzepte/

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Schiffscontainer sind nicht teuer und lassen sich relativ einfach in Meetingräume konvertieren. Hier ein Beispiel aus der Schweiz. Mehr Informationen und Bildquelle: http://bestofshippingcontainers.com/group8-shipping-container-office/

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Michael Bartz, Prof. IMC FH Krems

Der Begriff “Home Office” suggeriert irgendwie Arbeiten im Wohnzimmer oder in anderer Art und Weise daheim. Den Luxus eines eigenen Arbeitszimmers im Home Sweet Home klammere ich aus der Diskussion einmal aus. Ich bin im Gegenteil auch schon darauf gestoßen, dass WissenarbeiterInnen ihren Arbeitsplatz am Küchentisch aufschlagen. Ist das ideal? Wahrscheinlich nicht oder nicht für jeden und jede und vor allem: nicht ständig.

Sicher ist nicht viel dagegen einzuwenden, wenn der Küchentisch oder Wohnzimmertisch einmal für ein paar Stunden als Arbeitsplatz herhalten muss. Als Ausnahme. Jedoch für ein oder zwei reguläre Home Office Tage pro Woche ist das keine Lösung. Da sollte ein ergonomisch gestalteter Arbeitsplatz her.

Tip Nr. 1: Diesen Arbeitsplatz kann man sich gesünder gestalten als im Firmenbüro. Viele Firmen tun sich noch schwer, Arbeitsplätze mit höhenverstellbaren Schreibtischen auszustatten. Diese Art von Schreibtischen sind in genügender Qualität für den Home Office Einsatz bereits ab 200 EUR zu haben.

Tip Nr. 2: Kombinieren sie so einen Schreibtisch dann gleich mit einer Stehmatte. Ich bin persönlich ein Fan der Stehmatten von kybun aus der Schweiz; deswegen erlaube ich mir, hier konkret auf einen Hersteller und ein Produkt hinzuweisen. Eine solche hochwertige Stehmatte ist eine Ausgabe, die sich schon nach wenigen Monaten als Investition in die Gesundheit auszahlt (http://www.kybun.ch). Nicht billig, aber macht sich bezahlt.

Tip Nr. 3: Seien Sie noch weiter kreativ und denken Sie an alternative Sitzgelegenheiten, statt gleich nur an den typischen Bürosessel…einbeinige bewegliche Sessel zum Beispiel. Oder für einige Zeit ist ein Sitzball auch nicht schlecht während eines Arbeitstages. Telefonate lassen auch auch gut im Liegen erledigen. Brechen sie aus gewohnten Mustern aus und denken sie an Lösungen, die im Büro unmöglich wären.

Tip Nr. 4: Wenn sie sich das alles vor Augen geführt haben, dann checken sie bitte gedanklich, ob das Zuhause aber auch die sonstigen professionellen Rahmenbedingungen für die Erledigung ihres Jobs bietet: Ungestörtheit zum Beispiel in den Phasen, in denen es wichtig ist. Und aber auch ein leistungsstarkes WLAN, damit auch Telefonkonferenzen und Videokonferenzen über ihr Notebook wirklich perfekt funktionieren.

Wenn sie sich nicht sicher sind oder konkrete gegenteilige Erfahrungen gemacht haben, dann Tip Nr. 5:

Erweitern Sie den Lösungsraum. Home Office muss nicht daheim stattfinden. Zumindest im städtischen Bereich schießen auch in Europa CoWorking-Spaces an jeder Ecke aus dem Boden. Das sind offene Büros oder Bürogemeinschaften für jedermann (und –frau). Sozusagen das Büro aus der Cloud.  Hier lassen sich Schreibtischarbeitsplätze, Rückzugsräume oder Meetingräume nutzen. Entweder wird ad hoc nach Stunden abgerechnet oder es gibt den Büroarbeitsplatz auch im Abo. Die Vorteile sind: Hier findet man auf jeden Fall eine professionelle Büroumgebung. Es gibt nicht die typischen heimischen Ablenkungen (Schatzi, kannst Du die Wäsche noch mit durchlaufen lassen…), und man erspart sich dennoch den vielleicht langen Arbeitsweg ins Firmenbüro. Denn wie gesagt, CoWorking Spaces durchziehen wie ein Myzel inzwischen europäische Innenstädte. D.h. in 5 Minuten Gehweite findet sich ziemlich sicher mindestens ein CoWorking-Space.

In den ländlichen Bereichen ist das Thema CoWorking anders gelagert: Hier denken Gemeinden über die Schaffung solcher Cloud-Offices nach. Dafür bieten sich Büros in Gemeindehäusern an oder auch die Nachnutzung von Bankfilialen, die allerorts geschlossen werden. Warum denken, ländliche Gemeinden darüber nach (und gerade im Speckgürtel der Städte)? Hierbei geht es um Standortattraktivität und darum, EinwohnerInnen zu halten oder anzuziehen. Warum jetzt? Weil inzwischen auch in den ländlichen Bereichen hochperformante Internetanschlüsse zu niedrigen Preisen verfügbar sind. Es also einfach möglich ist, so ziemlich überall die technische Grundvoraussetzung für einen CoWorking-Space zu schaffen, und das ist Netzanbindung.

Gibt es es wissenschaftlichen Hintergrund zu diesem Home Office Tip? Nicht wirklich. Aber rechnen sie sich einmal selbst aus, wieviel Zeit sie gewinnen pro Woche oder Monat oder Jahr, wenn sie dank CoWorking-Space dann doch die Möglichkeit des Home Office mehr nutzen. Und sie andererseits das tägliche Pendeln reduzieren können. Das ist Mehrwert pur für die Firma und sie privat.

Mehr Information zu neuen innovativen Arbeitsformen und Unternehmen der nächsten Generation:

http://nextgenerationenterprise.institute/

http://www.thomasschmutzer.com/

Quelle Bild: http://www.business-cloud.de/enterprise-cloud-drive-der-sichere-cloud-speicher-fuers-business/

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Ohne weiteren Kommentar, außer: Querdenken bei der Bürogestaltung lohnt sich, wie dieses Beispiel aus New York zeigt.

Quelle: http://officesnapshots.com/2015/09/24/homepolish-new-york-city-offices/

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Michael Bartz, Prof. IMC FH Krems

Vor einiger Zeit hatte ich eine Gruppendiskussion zum Thema “Spielregeln für mobiles Arbeiten” in einem Unternehmen. Aus der Gruppe kam ein Vorschlag zum virtuellen Grüßen. Das hörte sich seltsam an. Aber schnell wurde klar, dass das etwas ist, was wir im Büro ohnehin tun. Und dieses Verhalten wurde in smarter Art und Weise übersetzt auf die virtuelle Arbeitssituation im Home Office.

Stellen sie sich vor, sie müssen um 14.00 Uhr kurz zum Arzt für eine Routineuntersuchung. Sie kommen morgens ins Büro. Und was machen sie mit großer Wahrscheinlichkeit? Sie geben den KollegInnen im direkten Umfeld gleich beim Guten Morgen Bescheid. So in der Form: “Hej. Hört mal. Ich muss nach dem Mittagessen kurz raus, zum Arzt. Ich bin dann um 15.30 Uhr spätestens wieder zurück.”

Jetzt stellen sie sich das Home Office vor: Niemand bekommt so klar mit, wann sie in der Früh beginnen, zu arbeiten. Niemand hat so wirklich eine Ahnung, wann sie Pause machen werden und ggf. nicht verfügbar sind. Aus diesem Grund machen drei Dinge Sinn:

  • Grüßen sie ihr direktes Arbeitsumfeld bei Home Office Arbeitsbeginn in der Früh. Nutzen sie dafür Mail oder Chat.
  • Geben Sie bei der Gelegenheit kurz Bescheid, wie sie sich den Tagesablauf vorgestellt haben (bin zwischen 14.00 und 15.30 Uhr kurz raus beim Arzt…).
  • Und auch am Nachmittag oder Abend, wenn sie dann wirklich Schluss machen wollen und Ruhe haben wollen: Verabschieden sie sich kurz auf dem selben Weg. Eine kurze Mail zum Beispiel: “Ich bin dann jetzt raus für heute. Morgen bin ich…”.

Natürlich könnten sie sich darauf verlassen, dass ihre KollegInnen ihren elektronischen Kalender einsehen und erkennen können, wann sie verfügbar sind. Und das ist auch perfekt für das weitere Arbeitsumfeld. Beim virtuellen Grüßen geht es um ihr allernächstes Arbeitsumfeld. Denken sie kurz nach: Wer sind die drei oder fünf Kolleginnen und Kollegen an einem bestimmten Tag, die jobbedingt in ihrem Fokus sind oder für die sie im Fokus sind. Bei diesen wenigen Personen geht es darum, diesen kleinen Premiumservice zu erbringen, damit die Zusammenarbeit funktioniert und die Erwartungen für den Tag gleich richtig gesetzt sind.

Ja. Virtuelles Grüßen klingt merkwürdig. Macht aber Sinn im engsten Arbeitsumfeld. Der Aufwand ist vergleichsweise gering und die Wirkung groß.

Noch ein kleiner Nachspann zum wissenschaftlichen Hintergrund, wen es interessiert: Hierbei geht es um Shared Context und Shared Identity. Im Büro kennen wir uns recht gut, wissen einander gut einzuschätzen und wissen auch, wie wir z.B. bestimmte Verhaltensweisen oder Aussagen einzuschätzen haben. Durch virtuelles Arbeiten schmilzt dieses Verständnis zu einem gewissen Grad. Deswegen müssen Dinge expliziter erklärt, Erwartungen gesetzt und insgesamt viel planerischer kommuniziert werden. Das dient dazu, die Lücken zu schließen, die sich bei Shared Context und Shared Identity in virtuellen Arbeitsumgebungen auftun.

Mehr Information zu neuen innovativen Arbeitsformen und Unternehmen der nächsten Generation:

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Quelle Bild: http://www.talente-bewegen.de/virtuelles-fuehren-erfolgsfaktoren/

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Die Grenzenlosigkeit zwischen Beruf und Privat steigt. In Österreich tragen All-in-Arbeitsverträge wesentlich mit dazu bei. Ein spannender Beitrag auf ORF Online:

“Arbeitnehmer mit einem All-in-Vertrag arbeiten öfter in der Freizeit, im Urlaub oder gar im Krankenstand. Das zeigt der aktuelle Arbeitsklima Index der Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich. Rund ein Drittel der Befragten arbeitet laut Umfrage nach Dienstschluss einfach weiter.

Fast zehn Prozent arbeiten häufig nach Dienstschluss weiter, so die AK. Fast jeder Fünfte (18 Prozent) arbeitet zudem im Urlaub, 14 Prozent arbeiten auch im Krankenstand. Männer, ältere Arbeitnehmer und Beschäftigte mit Matura sind von Arbeit nach Dienstschluss häufiger betroffen – sechs von zehn Arbeitnehmern mit Matura arbeiten in ihrer Freizeit, fast ein Viertel häufig. Fast jeder Dritte mit Matura arbeitet auch im Krankenstand.

Ein Drittel mehr All-in-Verträge

Ein Grund für diese Entgrenzung von Arbeit und Freizeit sind die zunehmenden All-in-Verträge, kritisiert AK-OÖ-Präsident Johann Kalliauer. Ende 2015 habe fast jeder Vierte (24 Prozent) einen solchen Vertrag gehabt, der alle Ansprüche aus Überstundenarbeit abdeckt, umgerechnet 800.000 Arbeitnehmer. Ende 2013 hatten erst 18 Prozent einen solchen Vertrag.

Diese Arbeitnehmer müssten meist mehr Überstunden machen, als durch ihren jeweiligen All-in-Vertrag abgedeckt ist, ohne dass das zusätzlich mit Zeit oder Geld abgegolten würde, so die AK. Damit würden sie in Summe auf einen geringeren Stundenlohn kommen. All-in-Verträge seien daher ein „Etikettenschwindel“, so Kalliauer. Ähnliches gelte oft auch für jene 16 Prozent Arbeitnehmer, die eine Überstundenpauschale ausgezahlt bekommen. Mehr Transparenz soll hier die jüngst erfolgte Änderung im Arbeitsrecht bringen, wonach das Bruttogehalt für die Normalarbeitszeit ausgewiesen werden muss.

Viele Branchen und Berufe betroffen

Gerade All-in-Verträge seien in vielen Branchen und Berufen oft aber gar nicht nötig oder angebracht, so die AK. Ursprünglich für Führungskräfte eingeführt, hätten inzwischen keineswegs nur Beschäftigte in höheren Positionen einen All-in-Vertrag. Unter einfachen Angestellten und Hilfsarbeitern habe bereits jeder Fünfte so einen Pauschalvertrag, besonders hoch ist der Anteil auch im Bauwesen. Unter leitenden Angestellten sind es bis zu 45 Prozent. Insgesamt sind eher jüngere als ältere Beschäftigte, mehr Männer wie Frauen betroffen.

Smartphones verhindern Abschalten vom Job

Wenig hilfreich beim Abschalten vom Job sind zudem Smartphones und Notebooks, die auch immer öfter vom Arbeitgeber gestellt werden. Hatte vor zwei Jahren noch jeder zehnte Arbeitnehmer ein dienstliches Smartphone, so ist es laut AK mittlerweile jeder Siebente, jeder Zehnte hat auch einen Computer. Von diesen Personen nutzt jeder Dritte die Geräte auch in der Freizeit, um etwas für die Arbeit zu erledigen, 14 Prozent immerhin jeden Tag.

Als Grund nannten die Befragten, dass sie noch schnell etwas fertig machen und sie die Kollegen nicht belasten wollten oder weil das Handy auch daheim klingle und Mails keine Rücksicht auf reale Dienstzeiten nehmen würden, so Kalliauer. Die ständige Erreichbarkeit und das damit verbundene Nicht-abschalten-Können berge aber die Gefahr eines Burn-outs und anderer psychischer Probleme wie etwa Schlafstörungen. Arbeitergeber und Arbeitnehmer müssten verantwortungsvoller mit den Ressourcen umgehen, so der AK-Präsident.

Schlecht abschalten können laut AK insbesondere Lehrer, Trainer und andere Beschäftigte im Unterrichtswesen, Banker und Versicherungsangestellte sowie Personen in der Baubranche. Als Gründe, die Arbeit mit nach Hause zu nehmen, wurden in erster Linie Argumente wie „Ich mache es gerne“ und „Das Erfüllen des Arbeitspensums in der Arbeitszeit war nicht möglich“ genannt. Beschäftigte in Wien nehmen ihre Arbeit laut AK deutlich häufiger mit nach Hause als jene in der Steiermark, in Kärnten oder im Burgenland.

Wirtschaftskammer verweist auf freie Tage

Die Wirtschaftskammer sieht das Thema All-in-Verträge etwas anders und verwies in einer Aussendung auf in Summe 38 zur Verfügung stehende arbeitsfreie Tage im Jahr, womit Österreich EU-weit im Spitzenfeld liege. Hinzu komme, dass laut einer IMAS-Umfrage bereits 25 Prozent der bezahlten Arbeitszeit wegen Urlaubs- und Feiertagen, Krankenständen, Arztbesuchen, Behördengängen und Internetsurfen nicht produktiv gearbeitet werde.

„Es ist richtig, dass heutzutage Arbeit und Freizeit immer mehr ineinanderfließen, wobei das aber in beide Richtungen stattfindet“, meinte der Präsident der Wirtschaftskammer Oberösterreich, Rudolf Trauner. All-in-Verträge könnten jedenfalls nicht das große Problem sein. Sie ermöglichten Beschäftigten einen hohen Pauschallohn und würden auch dann gebühren, wenn keine oder weniger Überstunden geleistet werden, sagte der Kammerchef.

Zufriedenheit bei Jungen sinkt weiter

Unterdessen liefert der Arbeitsklimaindex auch bei der Stimmung der Beschäftigten bis 26 Jahre ein schlechtes Bild. Die Zufriedenheit mit dem Job, dem Chef, der Arbeitszeitregelung, den Gestaltungsmöglichkeiten und den Mitbestimmungsmöglichkeiten ist im Vergleich zu 2014 stark zurückgegangen. Immer mehr Junge befinden sich in atypischen Beschäftigungsformen, sprich arbeiten befristet, geringfügig oder Teilzeit. Aufstiegschancen sehen sie kaum – dieser Wert ist bereits seit 2008 rückläufig.”

Mehr Informationen: http://orf.at/stories/2327831/2327828/

Quelle Bild und weitere Informationen: http://www.karriere.at/blog/all-in-vertrag.html

Erfahren Sie in 7 Minuten alles über die fünf wichtigsten Entwicklungen in Richtung New World of Work. Ein Kurz-Video produziert von der Julius-Raab-Stiftung. Zum Anschauen bitte oben auf das YouTube-Window klicken oder hier unten auf den Link:

https://www.youtube.com/watch?v=Ng1eL7T6tAc&feature=youtu.be

Das Video wurde produziert als Input für die Konferenz “Zukunftsthesen Beschäftigung” am 25.2.2016. Zur Nachberichterstattung:

http://www.juliusraabstiftung.at/aktuelles/136,nachbericht-zukunftsthesen-2-beschaeftigung.html

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