Feeds:
Beiträge
Kommentare

image

N24 berichtet: “Microsoft präsentiert sich wieder einmal als innovativ – und stellt seinen Mitarbeitern nun frei, ob sie zum Arbeiten ins Büro kommen. Qualität hängt nicht von Anwesenheit ab, lautet das Motto. – Der feste Arbeitsplatz mit starrer Anwesenheitspflicht von 9.00 bis 17.00 Uhr wird in vielen deutschen Büros zum Auslaufmodell.

Nach Lockerungen bei den Arbeitszeiten kommen Arbeitgeber den Beschäftigten inzwischen auch beim Arbeitsort entgegen und lassen sie zumindest teilweise aus dem Homeoffice arbeiten. Der Softwarekonzern Microsoft hat die Büro-Anwesenheitspflicht für seine Mitarbeiter in Deutschland nun sogar vollständig abgeschafft. "Arbeitet wo und wann ihr wollt", lautet die Devise.

Warum schafft Microsoft die Anwesenheitspflicht im Büro ab?

"Anwesenheit sagt nichts über die Qualität der Leistung von Mitarbeitern aus, sondern liefert häufig sogar ein falsches Bild", sagt Personalchefin Elke Frank. Viele Mitarbeiter hätten den Wunsch, von zu Hause, im Café oder unterwegs zu arbeiten. Entscheidend für Microsoft ist nur das Ergebnis. Gerade das konzentrierte Arbeiten an einem Projekt ist nach Ansicht der Personalchefin in offenen Büros nicht immer einfach. "Wer in Ruhe arbeiten will, arbeitet von zu Hause." Vor wenigen Wochen wurde der "Vertrauensarbeitsort" in einer Betriebsvereinbarung für die rund 2700 Mitarbeiter in Deutschland verbindlich geregelt. Feste Arbeitszeiten hatte Microsoft schon 1998 abgeschafft.

Müssen die Mitarbeiter dann nie mehr ins Büro kommen?

Doch, sie können jederzeit kommen – haben dann aber keinen eigenen Schreibtisch. In der neuen Firmenzentrale, für die am Dienstag in München der Grundstein gelegt wurde, gibt es zwar Büro-Arbeitsplätze, aber nicht für jeden. Die Erfahrung hat nach Angaben des Unternehmens aber gezeigt, dass ohnehin nie alle Mitarbeiter gleichzeitig kommen – so dass der Platz normalerweise reicht. Wenn es eng wird, gibt es notfalls aber auch Sitzecken mit Lounge-Möbeln oder ein Café, in dem die Mitarbeiter ihren Laptop aufklappen können. Zusätzlich gibt es in der Zentrale auch Meeting-Räume für Konferenzen – denn auf den persönlichen Kontakt soll nicht ganz verzichtet werden.

Gibt es ohne Bürozeiten noch Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit?

Die Gefahr ist groß, dass Arbeit und Freizeit vollständig ineinander übergehen. Gewerkschaften warnen deshalb immer wieder davor, dass die Flexibilität nicht zu einer Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit führen dürfe. Microsoft appelliert vor allem an die Beschäftigten selbst, die Arbeitszeit in Grenzen zu halten. Mitarbeiter müssten Eigenverantwortung für ihre Zeiteinteilung übernehmen und Überlastung frühzeitig signalisieren. "Wer keine klaren Grenzen setzt, darf sich nicht wundern, wenn die Kollegen auf Freizeit oder Krankheit keine Rücksicht nehmen", heißt es in einer Richtlinie des Unternehmens.

Werden auch andere Firmen die Anwesenheitspflicht aufgeben?

Der Wunsch nach flexiblen Regeln für die Arbeit ist bei den meisten Beschäftigten groß. In einer Umfrage des Personalunternehmens Orizon unter mehr als 2000 Arbeitnehmern landete der Wunsch nach flexiblen Arbeitszeiten nach der Jobsicherheit und einer leistungsgerechten Bezahlung auf Platz drei. "Arbeitnehmer erwarten, dass sich Arbeitszeiten an das Privatleben anpassen und nicht umgekehrt", sagt Geschäftsführer Dieter Traub. Im Rennen um gut ausgebildete Fachkräfte sind flexible Modelle ein entscheidendes Argument: "Die neue Generation hat ganz andere Ansprüche und legt mehr Wert auf die Work-Life-Balance", sagt Microsoft-Personalchefin Frank. Bei ihr fragten bereits zahlreiche Unternehmen nach den Erfahrungen mit flexiblen Arbeitsmodellen an.”

Quelle Bild und Text: http://www.n24.de/n24/Wissen/Job-Karriere/d/5517382/anwesenheitspflicht-wird-abgeschafft.html

image

Interview von Barbara Oberrauter mit Michael Bartz erschienen auf www.jobnews.at:

“Generation Y, Freelancer, Führen über Ziele, Shared Office und Lebensarbeitszeit: Das sind nur einige der Schlagwörter, die zur Zukunft der Arbeitswelt gegenwärtig durch die Medien geistern. Warum innovative Arbeitsformen nicht nur Herausforderung, sondern auch Chance für Unternehmen und Mitarbeiter sein können, erklärt der Professor an der IMC University of Applied Sciences Krems, Michael Bartz, im Interview mit JOBnews.at.

JOBnews.at: Herr Bartz, was kann man sich unter innovativen Arbeitsformen vorstellen?

Michael Bartz: Dabei handelt es sich nicht um eine spezifische Form der Arbeit, sondern um ein Bündel verschiedener Maßnahmen. Gemeinsame Nenner von „new ways of work“ sind flexibles Arbeiten, die smarte Nutzung von Technologien, ein neuartiges Bürodesign, flexible Organisationsformen und neue Customer Touchpoints. In der Vergangenheit waren beispielsweise Büros die klassischen Behausungen für Einzelarbeitsplätze. Die neue Generation der Büros sind soziale Plattformen, weil die Leute verteilter und flexibler arbeiten. Statt dem Einzelbüro geht es vielmehr um ein Basislager, zu dem alle immer wieder zurückkehren, um sich auszutauschen, zu sozialisieren und Kunden zu treffen.

Was kann man sich unter flexiblen Organisationsformen vorstellen?

In vielen Unternehmen ist das Thema Outsourcing jetzt schon ein großes Thema. Nicht mehr alles passiert in der Firma. Da geht es um neuartige Kooperationsformen, Stichwort Co-Developing und Crowdsourcing. Man tritt gemeinsam im Markt auf und bildet eine Art Schwarmintelligenz. Auch im Unternehmen selbst hat man heute andere Beschäftigungsverhältnisse als früher. Die Vollzeit-Mitarbeiter sind Auslaufmodelle, man sieht immer mehr Teilzeitverträge, Job-Sharing und Freelancer. Die Unternehmensgrenzen nach außen verschwimmen. Customer Touchpoints verändern sich. Das Modell ist nicht mehr, wir hier drinnen, der Kunde da draußen, das wird viel offener.

Was steht hinter diesen Entwicklungen?

Zum Einen schwinden die klassischen Unternehmen, weil der Beschäftigungsmarkt in Europa sich umdreht, Stichwort demografischer Wandel. Im Moment geht es uns noch ganz gut, aber nachhaltig ist das nicht, weil mit der Überalterung auch der Fachkräftemangel droht. Noch viel einschneidender für Unternehmen ist aber, dass sie durchschaubar werden. Es gibt eine nie dagewesene Transparenz, die sich immer weiter steigert. Die Leute bekommen ganz tiefe Einblicke in den „gläsernen Arbeitgeber“. Wenn man sich da als Firma nicht weiterentwickelt, bekommt man immer schlechteren Zugang zu den Talenten, die man haben möchte.

Wie schaffen Unternehmen den Übergang zu innovativen Arbeitsformen?

Für die Einführung neuer Arbeitsformen kann man nicht einfach einen Schalter umlegen. Für eine erste Veränderungsstufe würde ich mindestens zwei Jahre einrechnen. Nach einer Envisioning-Phase, wo das Zielbild definiert wird, geht es ans Entwerfen einer Entwicklungslandkarte. Welche Bausteine braucht es in so einem Entwicklungsprogramm, was kosten diese, und wie schnell setzen wir einzelne Bausteine um? Da muss man auch überlegen, was traut man sich als Unternehmen zu, was schadet möglicherweise der Unternehmenskultur oder überfordert die Mitarbeiter? Wenn der Entwicklungsweg steht, kann man beginnen, neue Dinge auszuprobieren. Für die Pilotierung neuer Arbeitsweisen eignen sich Tochterfirmen oder größere Abteilungen am besten. Wichtig ist, dass man keine Insellösung produziert. Man braucht den Kontext, um das neue Arbeiten in Unternehmensprozessen auszuprobieren. Nur so sieht man, ob es fließt und wo es noch ruckelt und hakt.

Wirkt sich die neue Form des Arbeitens auch auf die Führungsetage aus?

Natürlich. Führung funktioniert in den neuen Arbeitswelten ganz anders. Früher hatten Sie täglich ihre Schäfchen rundherum und konnten mit Führung auf Sicht arbeiten. In den verteilten flexiblen Arbeitswelten geht das nicht mehr. Da sprechen wir dann über neue Führungsmodelle wie das Führen über Ziele. Das können nicht alle Führungskräfte, und viele Unternehmen haben auch gar nicht die Werkzeuge und Prozesse dafür. Die Einführung der Methodik erfordert daher Investitionen.

Inwiefern rentieren sich diese Investitionen?

Ein Beispiel: Die Krankenstände liegen durchschnittlich bei zwölf Tagen pro Jahr pro Mitarbeiter. In Unternehmen der nächsten Generation sinken diese auf unter fünf Tage pro Jahr. Auch Fluktuationsraten verringern sich. Und wer den Schritt in Richtung neues Büro-Design wagt, kann zusätzlich noch die Bürofläche um etwa 20 bis 30 Prozent verschlanken. Entsprechend proportional verringern sich natürlich auch Infrastrukturkosten für Büro, Energie und Reinigung. Das eingesparte Geld kann dann wiederum in Innovationen, Produktqualität und Kundenservice fließen.

Für welche Unternehmen eignen sich innovative Arbeitsformen generell?

Die „new world of work“ ist für alle geeignet, vom KMU bis hin zum Großkonzern. Die Grenze verläuft im Produktionsbereich, da geht es um andere Themen wie Selbstorganisation oder Technologienutzung. Aber ansonsten gibt es kein Limit. Ganz wichtig ist in jedem Fall, die Mitarbeiter an Bord zu bekommen. Die haben in jeder Lebensphase andere Bedürfnisse, sei es jetzt beruflich oder privat, und mit neuen Arbeitsformen wird es erstmals möglich, als Unternehmen durch die Einführung neuer Technologien und Arbeitsformen flexibel zu reagieren. Umgekehrt hat man Mitarbeiter, die dadurch loyaler und engagierter sind und sich für ihr Unternehmen mehr einsetzen.”

Mehr Infos auf www.jobnews.at

Quelle Text und Bild: http://www.jobnews.at/new-world-of-work/

image

Gastbeitrag von Sabine Zinke

Vom Zellenbüro zum non-territorialen Büro. Wie wirken diese neuen Räume auf Menschen in kognitiver, emotionaler und sozialer Hinsicht? Die Erkenntnisse der Architekturpsychologie helfen diese Prozesse besser zu verstehen und in der Implementierung zu berücksichtigen, in der kulturellen Entwicklung wie in der räumlichen Gestaltung.

Der Paradigmenwechsel in der Rolle des Büros trifft auf elementare menschliche Bedürfnisse. Ein Nicht-Eingehen auf diese Bedürfnisse zeigt sich in hochemotionalem Widerstand gegen die geplante räumliche Veränderung, im Festkrallen an Details und vermeintlichen Sachargumenten. Der Kampf um den Blumentopf torpediert die Idee und damit Nutzen, Vorteile und Freude auf das neue Büro.

In dieser kleinen Serie gebe ich Einblicke in die wesentlichen psychologischen Mechanismen, ihren Einfluss auf Akzeptanz, Wohlfühlen und schlussendlich Effektivität der neuen Arbeitsräume und zeigen Ansätze, wie diese Mechanismen in der Implementierung berücksichtigt werden können.

  • Teil 1  – beschäftigt sich mit dem Bedürfnis nach Privatheit und der Bedeutung des Territoriums
  • Teil 2  – zeigt auf, wie Aneignung von Raum stattfindet und warum ein Mindestmaß an Kontrollmöglichkeiten wichtig ist
  • Teil 3  – untersucht, wie sich soziale Kontakte in non-territorialen Umgebungen verändern
Teil 1 – Das Bedürfnis nach Privatheit und die Bedeutung des Territoriums

Das Bedürfnis nach Privatheit ist ein elementares Bedürfnis, dem in vielen Arbeitsumgebungen zu wenig Platz gegeben wird. Im Arbeitskontext geht es bei der Suche nach Privatheit nicht nur um den Rückzug vor anderen, sondern auch um die Möglichkeit der Kontrolle unserer Aussenreize. Privatheit etabliert sich in: 1) der Möglichkeit des Rückzugs von Anderen 2) der Kontrolle wieviel Information andere über uns haben und  3) der Regulation der Interaktion  im jeweiligen Moment. Die Lösung liegt nicht im Rückzug in Zellenbüros, Privatheit kann in vielen Settings hergestellt werden und ist ein hochindividuelles Empfinden. Viele Untersuchungen zeigen, dass  Arbeitsumgebungen die Privatheit (allein, zu zweit) genügend (auch ungeplanten) Raum geben und in ein gutes Verhältnis zum Kollaborationsraum setzen, erfolgreich sind.

Das global agierende Büromöbelunternehmen Steelcase hat zum Thema Privatheit in Arbeitsumgebungen geforscht und in 5 Erkenntnissen über das Erleben individueller Privatsphäre zusammengefasst. Siehe auch Steelcase Artikel “The privacy crisis”

1. Strategische Anonymität: Unerkannt bleiben/ “Unsichtbar sein”  Mit der Möglichkeit anonym zu bleiben entzieht man sich den durch normale Sozialkontrolle auftretenden Zwängen. z.B. das Arbeiten in einem Cafe hilft den sozialen Ablenkungen am Arbeitsplatz zu entgehen und durch die Geräusche den genau richtigen denkanregenden Stimulus zu bekommen

2. Selektive Exposition: Bestimmen, was andere sehen  Menschen selektieren welche Information sie über sich anderen preisgeben und präsentieren sich auch unterschiedlich je nach Gegenüber. Die neuen Kanäle machen die Entscheidung, was man über sich preisgibt und wie sicher das ist schwieriger. In der Gestaltung von Arbeitsumgebungen kann am darauf eingehen: Telefon statt Videokonferenz, Rückzugsräume für private Gespräche und entspanntere Posen.

3. Umgang mit Vertraulichkeit: Vertrauliche Mitteilungen Privatsphäre heißt auch die Suche nach ungestörten Momenten, alleine, zu zweit oder dritt. Dafür sollte in modernen Büroumgebungen genügend Raum sein, semi- und ganz private Gespräche müssen möglich sein, ohne das jede(r) weiß wer mit wem zusammensitzt. Dh dass es auch nicht einsehbare Besprechungsmöglichkeiten braucht.

4. Bewusstes Abschirmen: Selbstschutz   Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen persönlichem Territorium und Selbstempfinden. Wir ergreifen aktive Maßnahmen um uns davor zu schützen. Am Arbeitsplatz kann es der Versuch sein, sich vor neugierigen Blicken oder Einmischung zu schützen. Z.B. durch Tragen von Kopfhörern, mit dem Rücken zur Wand sitzen, Weggedrehtem Bildschirm, uneinsichtigen Enklaven

5. Gezieltes Alleinsein: Sich bewusst von anderen absondern Bewusstes Alleinsein ist physischer Natur: Man kann sich vorsätzlich von einer Gruppe absondern, sich eine kurze Ruhepause gönne, seinen Gefühlen freien Lauf lassen,… zB. sich  bewusst einen anderen Platz suchen, nach draußen gehen, Signale setzen

Gerade in sehr transparenten, offenen Arbeitsumgebungen ist es wichtige auch einen kulturellen Code/ Signale zu entwickeln und in der Unternehmenskultur zu etablieren, die Alleinsein, Ungestörtheit, Abschirmung wenn gewünscht möglich macht. Das kann über klar deklarierte Orte sein oder über kleine persönliche  Signale (Kopfhörer, etc) die respektiert werden.

Der Verlust des eigenen Territoriums in modernen Arbeitwelten muss durch Möglichkeiten Privatheit herzustellen kompensiert werden. Territorialität bezeichnet das Bedürfnis, über ein Territorium zu verfügen und Distanz gegenüber anderen aufrechterhalten zu können. Ein individueller Arbeitsraum ist ein primäres Territorium und bietet ein hohes Maß an Zugangs- und Verhaltenskontrolle. Im Arbeitsleben begegnet uns das oft als das mit Machtsymbolik aufgeladene „Chefzimmer“. Untersuchungen zeigen, dass es im eigenen Raum einen Heimvorteil gibt, da das Erleben von Kontrolle und Macht im eigenen Territorium gestützt wird. Interessant ist, wie diese Aspekte der Kontrolle in halböffentlichen, von Gruppen genützten, Räumen  hergestellt werden können.

Quelle Bild und Text: http://www.mehrwertbuero.com/2014/09/23/die-psychologie-der-bueroraeume-teil-1/

Mehr Informationen über Sabine Zinke: http://www.mehrwertbuero.com/

image

Neue innovative Arbeitsweisen zu pilotieren, ist gewinnbringend aber auch eine Herausforderung. Im Teil 1 dieses Artikels hatte ich darüber berichtet, warum das testen mit Freiwilligen im Unternehmen nicht optimal ist. In Teil 2 des Artikels ging es um das Pilotieren neuer innovativer Arbeitsweisen in der Projektorganisation und in Teil Teil 3 um Abteilungspiloten. Abschließend möchte ich den Blick werfen auf das Testen neuer innovativer Arbeitsweisen in vollständigen Unternehmensbereichen.

Ein Unternehmensbereich kann sein eine Tochterunternehmung oder eine Unternehmenssparte. Definierender Faktor ist der Umstand, dass ein Bereich einen möglichst weitreichenden Teil der Unternehmenswertschöpfungskette umfassen sollte, d.h. von der Leistungserbringung über den Vertrieb bis zum Customer Service. Dass also ein Mikrokosmos vorliegt, der von typischen Unternehmensprozessen weitgehend vollständig durchzogen ist. Wenn dieser Umstand zutrifft, dann kann neue innovative Arbeitsweisen maximal realitätsnah ausgetestet werden. In diesem Rahmen sind MitarbeiterInnen in der neuartigen Arbeitsumgebung nicht isoliert voneinander. Stattdessen interagieren sie entlang der Unternehmensprozesse und auch in informellen Netzwerken. So wird der vollständigste Blick erreicht. Denn auch die Nutzung neuer Technologien kann derartig am umfassendsten ausgetestet werden. Und der Einsatz neuer Bürodesigns wird optimalerweise ebenfalls im Piloten mit ausgetestet. BMW ist so vorgegangen. Der Pilot für mobiles und flexibles Arbeiten wurde in einem Unternehmensbereich ausgetestet, der dazu auch noch in einem eigenen Bürogebäude untergebracht war. Das ist das optimalste Textszenario. Es ist aber kein Muss. Denn auch das Testen in Abteilungen oder in der Projektorganisation sind valide Alternativen. Wobei das Testen in der Projektorganisation am unteren Ende der Empfehlungsliste steht, wie in Artikel Nr. 2 dieser Serie diskutiert (Permanentlink zu New World of Work pilotieren – Teil 2).

Was lässt sich aus einem Piloten lernen:

  • Welche Rollen oder Funktionen im Unternehmen dürfen und sollten wie flexibel arbeiten (Mobilitätsgrade)?
  • Welche Spielregeln braucht es, damit das Zusammenspiel in der Organisation und Prozessabläufe optimal gewährleistet sind? Sind ggf. auch Anpassungen von Prozessabläufen erforderlich? Das kommt eher weniger vor.
  • Ist die Organisation bereits technisch fit von der IT Seite? Fehlt es noch an Bausteinen oder sind einige Lösungen nicht optimal?
  • Würden Umgestaltungen der Büroumgebung funktionieren? Welche Nutzungsarten des Firmenbüros gewinnen an Wichtigkeit und sollten mehr Raum bekommen in der New World of Work?
  • Wie funktioniert Führung in dieser Organisation der nächsten Generation?
  • Und wie kompatibel ist die Unternehmenskultur und das neue Arbeiten?
  • Zu guter Letzt: Was bringt die neue Welt des Arbeitens in klaren Zahlen, Daten und Fakten? Dazu gehören auch Faktoren, wie Produktivität und Mitarbeiterzufriedenheit. Denn allzu oft ist man verführt, zunächst nur an Kostenvorteile zu denken.

Das sind einige der Kernaspekte, die im Rahmen eines Piloten erkundet und ausgetestet werden können. Ein New World of Work Pilot ist eine lohnenswerte Investition und ein Weg, der alle Stakeholder im Unternehmen optimal einbindet, bevor das Gesamtunternehmen die Reise antritt zum Unternehmen der nächsten Generation.

image

Mein Forschungskollege am IMC Stephan Jung (https://www.linkedin.com/pub/stephan-jung) hat mich die letzten zwei Tage sehr zum Nachdenken gebracht durch zwei Artikel zum Thema “Urlaub”. Urlaub nehmen, soviel man will. Das wird in einem Beitrag der Süddeutschen Zeitung diskutiert am Beispiel des Unternehmens Richard Branson. Die Süddeutsche dazu: “Spontan einen Tag freinehmen, weil der Abend vorher lang und feuchtfröhlich war? Of course. Eine Woche in die Berge düsen, denn der Schnee ist gerade jetzt perfekt? No problem. Einen ganzen Monat im Job aussetzen, um dem Kumpel nach Indien nachzureisen, der ständig so tolle Bilder auf Facebook postet? Go for it! So ähnlich könnten künftig Urlaubsverhandlungen in den Unternehmen von Richard Branson ablaufen. Denn der britische Milliardär, Abenteurer und Lebemann möchte auch seinen Angestellten mehr Freiheit ermöglichen – indem er eine "Non-Policy-Urlaubspolitik" einführt”.

Das kann natürlich funktionieren, wenn sogenannte zielorientierte Führung im Unternehmen stark verankert ist. Denn dann steht das Erreichen von Zielen im Vordergrund. Wieviel Zeitinvestition dahinter steht, spielt in diesem Fall keine Rolle. Und genau hier kann das System kippen im Sinne von Selbstausbeutung. Es braucht also einen umfassenderen New World of Work Reifegrad des Unternehmens, der zum Beispiel auch kulturelle Aspekte mit umfasst. Erfolgskritisch ist beispielsweise ein adäquates Wertesystem, das eine Freestyle-Urlaubssystem mit stützt. Ouchi hat den kritischen Erfolgsfaktor Unternehmenskultur und -werte schon in den 1970er Jahren unter dem Begriff normative Kontrolle beschrieben und vorgedacht. Am Freestyle-Urlaubssystem wir einmal mehr sehr klar deutlich, wie wichtig Unternehmenswerte für die Kontrolle bzw. die Steuerung des Unternehmens sind. Wenn die Rahmenbedingungen passen, dann wäre der Freestyle-Urlaub sicher ein Zukunftsmodell, dass den Regulationsaufwand im Unternehmen reduziert.

Wer sich näher mit dem Thema gedanklich auseinandersetzen möchte, findet den SZ-Artikel hier: http://www.sueddeutsche.de/karriere/unternehmer-richard-branson-urlaubt-wie-es-euch-gefaellt-1.2146835

Bildquelle: www.bigstock.at

image

In einem Interview mit der Journalistin Barbara Oberrauter ist mir plötzlich sehr klar geworden, dass es mindestens sechs Gründe gibt, warum neue innovative Arbeitsformen für ArbeitnehmerInnen wichtig sind. Diese Gründe sind für ArbeitnehmerInnen und Unternehmen gleichermaßen relevant:

Vereinbarkeit von Kind und Beruf – Insbesondere flexibles Arbeiten, wie z.B. Gleitzeit, mobiles Arbeiten, Job Sharing, hilft Müttern und Vätern Kind und Beruf besser miteinander zu kombinieren.

Vereinbarkeit von Kind und Karriere – Gerade Frau sind oft nach der Karenz von der Karriere wie abgeschnitten. Es gelingt in einer großen Zahl von Fällen einfach nicht mehr der Wiedereinstieg in den Karrierepfad z.B. Richtung Führungskraft. Auch hier helfen neue innovative Arbeitsmodelle.

Vereinbarkeit der Pflege von Angehörigen und Beruf – Pflege von Angehörigen ist ein Thema von zunehmender Wichtigkeit für die meisten von uns. Pflegekosten steigen und sind für viele nicht mehr finanzierbar. Die Alternative ist die Pflege in der Familie. Doch hier kommen folgende Faktoren zusammen: Aufgrund der demographischen Entwicklung (Einkindfamilie) ruht die Pflege von Angehörigen auf immer weniger Schultern. Und aufgrund der steigenden Lebenserwartung steigt auch die Wahrscheinlichkeit von Pflegefällen in der Familie und die Pflegedauer. Gerade flexible Arbeitsmodelle und Zeitwertkonten helfen, auch diese Lebensphase zu meistern.

Arbeiten 50+ und Übergang in die Pension – Derzeit funktioniert unser Lebensarbeitsmodell sehr binär. Vollgas bis zur Pension und dann schlagartig auf Null herunter. Neue innovative Arbeitsmodelle tragen dazu bei Beruf und Privatleben besser ab 45 oder  50+ besser aufeinander abzustimmen. Denn statistisch zeigt es sich, dass gerade ab ungefähr diesem Alter die Anforderungen an das Arbeitsleben sich wieder grundlegend wandelt und eine neue (sehr reife und schöne) Lebensphase für viele beginnt. Insbesondere Zeitwertkonten oder Lebensarbeitszeitmodelle sind im New World of Work Gesamtpaket hier ein wichtiger Lösungsbaustein, um diese Lebensphase und den Übergang in eine spätere Pension fließender und smarter zu gestalten. In der Bundesrepublik Deutschland lassen sich inzwischen sogar Guthaben aus Zeitwertkonten zwischen Firmen übertragen. Damit können diese Modelle endlich skalieren und sind breitentauglich.

Neue Erwartungen der Digital Natives – Am anderen Ende der demographischen Skala stehen der Berufswelt ebenfalls ganz andersartige Erwartungen gegenüber. Das sind die Erwartungen und das geänderte Wertemodell der ca. ab 1980 Geborenen. In dieser Generation, die schon ca. 30% der Beschäftigen ausmacht, stehen Werte wie “Selbstverwirklichung” über dem Bedürfnis zum Beispiel von “Sicherheit”. Das zeigt sich auch in den Lebensläufen dieser Generation: Höhere Jobwechselfrequenz, Multijobmodelle. Aber auch die Arbeitsweise im Unternehmen geht diese Generation anders an. Hier braucht es eine Kombination von Lösungsbausteinen aus dem New World of Work Package, um als Arbeitgeber für die Generation attraktiv zu sein – sprich, die richtigen Talente anzuziehen und zu binden.

Gesundheit – Studien zeigen inzwischen klar, New World of Work bringt gesündere Arbeitsweisen mit sich (siehe auch Wellbeing Blog). Zeitlich und räumlich flexibles Arbeiten und neue innovative Bürodesigns tragen unter anderem dazu bei. Firmen, die auf New World of Work setzen, bieten ihren MitarbeiterInnen eine Chance auf ein längeres Leben und ein qualitätsvolleres Leben, d.h. eine weitaus höheren Anteil dieser Jahre auch wirklich gesund und mit Qualität zu leben.

An meinem Geburtstag heute am 22. September war es mir wichtig, diese Überlegungen zu teilen. Ich freue mich darauf, diesen Katalog mit Interessierten inhaltlich zu schärfen und zu erweitern, und bin sehr gespannt auf Rückmeldungen.

Bildquelle: www.bigstock.at

image

Ein Artikel auf heise.de weist auf eine weitere Studie hin, die zeigt, wie wichtig ArbeitnehmerInnen flexibles Arbeiten nehmen. Vielen Dank an Wolfgang Keck für den Hinweis:

“Studie: Unternehmen sind für zukünftige Arbeitsformen schlecht gerüstet.

Eine Studie von Oxford Economics zeigt, dass Unternehmen sich zu wenig mit der Transformation von Erwerbsarbeit beschäftigen würden. Es mangele ihnen an Strategien, mit denen sie ihre Belegschaften künftig effizient einsetzen können.

Die globalisierte Arbeitswelt stellt viele Unternehmen vor große Herausforderungen: Es arbeiten mehrere Generationen über Kontinentgrenzen hinweg zusammen, jeder mit unterschiedlichen Fertigkeiten und Ausbildungen, Erfahrungen und kulturellem Hintergrund. Und künftig dürften die meisten Beschäftigten Freiberufler und langfristig gebundene Auftragnehmer sein. Zwar sieht die global angelegte Studie Workforce 2020 von Oxford Economics und SAP in der flexibilisierten Arbeitswelt grundsätzlich große Chancen für die Unternehmen. Allerdings könnten die meisten daraus kein Kapital schlagen – es fehle ihnen an Strategien, hauseigener Kultur und konkreten Vorstellungen, wie sie ihre mobilen Arbeitskräfte künftig richtig einsetzen wollen. Das gelte laut der Untersuchung für immerhin zwei Drittel der Befragten. Oxford Economics hat dazu über 5400 Angestellte und 29 Führungskräfte in 27 Ländern interviewt.

Für zwei Drittel spielt die Entlohnung in ihren zahlreichen Facetten die wichtigste Rolle – und zwar mit großem Abstand. Renten, flexibles Arbeiten und Freizeit schätzen die Betroffenen also als erheblich wichtiger ein als Annehmlichkeiten wie Fitness Center, Kinderbetreuung und bezuschusstes Essen. Die größte Sorge: Nicht mit den neuen Technologien klarzukommen und sich damit selbst aus dem Rennen zu nehmen. Arbeitslosigkeit wird hingegen nur als halb so schlimm empfunden.
Nur wenige Unternehmen unterstützen ihre Mitarbeiter in dieser Hinsicht angemessen. Speziell mit der sogenannten Generation Y (zwischen 1980 und 2000 Geborene) kommen die Firmen schlecht klar, da die Vorstellungen der "Millennials" von Arbeit und Leben sich deutlich von denen früherer Generationen unterscheiden. Die Arbeitnehmer bemängeln vor allem mangelnde Weiterbildungsmöglichkeiten und schlechte Karrierechancen. Letzteres Problem verschärft sich durch die Tatsache, dass künftig immer mehr Tätigkeiten als Dienstleistung eingekauft werden dürften. Das heißt: Mehr Zeitarbeiter, mehr externe Berater und mehr Dienste von Crowd-Sourcing-Plattformen wie Amazons Mechanical Turk, wo die Mitwirkenden laut IG Metall einen mickrigen durchschnittlichen Stundenlohn von 1,25 US-Dollar bekommen. 83 Prozent der Führungskräfte geben an, dass sie zunehmend Gebrauch von derartigen Angeboten machen wollen. Tarifliche Bezahlungen und verlässliche Beschäftigungsverhältnisse geraten dadurch gehörig unter Druck. (jd)”

Quelle Text: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Studie-Unternehmen-sind-fuer-zukuenftige-Arbeitsformen-schlecht-geruestet-2391077.html?wt_mc=nl.wirtschaft

Quelle Bild: http://www.menshealth.de/health/stress-gehirn-psyche/flexibles-arbeiten-ist-gesund.204276.htm

image

Interview von Wolfgang Zechner mit Michael Bartz. Erschienen in modernoffices:

“Das Büro ist überall, Flexibilität und Mobilität werden starre Arbeitsverhältnisse mittelfristig ablösen, sagt Der Wirtschaftsprofessor Michael Bartz. Der Wirtschaftsprofessor Michael Bartz erforscht seit Jahren die Zukunft des Arbeitens und begleitet Unternehmen bei Change-Prozessen. An der Fachhochschule Krems leitet er das Forschungsprojekt „New World Of Work“.

Seine These: Das Büro ist überall, Flexibilität und Mobilität werden starre Arbeitsverhältnisse mittelfristig ablösen.

Sie leiten in Krems das Forschungsprojekt „New World of Work“. Was genau muss man man sich unter diesem Begriff vorstellen?

Die Neue Arbeitswelt hat viele Facetten. Zwei wichtige Aspekte sind die zeitliche und die räumliche Flexibilität. Mobiles Arbeiten und Arbeitszeiten, die auf individuelle Bedürfnisse abgestimmt sind, gehören in die Zukunft. Menschen verfügen heutzutage über die technischen Möglichkeiten, von überall aus zu arbeiten. Das Gute daran ist: Wenn ich mobil arbeiten will, kann ich das, muss es aber nicht. Ich kann trotzdem jeden Tag ins Büro gehen.

Welche Auswirkung hat die Flexibilisierung auf die Beschäftigungsverhältnisse?

Die Vollzeitbeschäftigung geht zurück und wird durch alternative Beschäftigungsmodelle wie Zeitarbeit oder Teilzeit ersetzt. Gerade Menschen, die man der Digital Natives-Generation zurechnet, sind aus Gründen der Selbstverwirklichung immer weniger dazu bereit, 40 Stunden pro Woche für ein Unternehmen zu arbeiten.
Manche werken 20 Stunden für eine Firma, verdienen nebenbei Geld als Freelancer und entwickeln obendrein mit Freunden ein Startup.

Verändern diese neuen Arbeitsrealitäten auch Unternehmen?

Die Organisation von Unternehmen verändert sich. Früher waren Firmen meist hierarchisch strukturiert. Heute handeln Unternehmen eher projektorientiert. Und ihre Struktur zeigt das auch. Dazu kommt, dass bereits 70 Prozent aller Unternehmen einzelne Bereiche outsourcen. Auch schließen sich vor allem kleinere Firmen zu Clustern zusammen, um am globalisierten Markt gemeinsam zu bestehen. Österreich hat hier eine Vorreiterrolle übernommen. Man denke etwa an den Autocluster in der Steiermark.

Kommen wir zum physischen Büro. Was unterscheidet das moderne vom traditionellen Büro?

Die alte Bürowelt funktionierte als Behausung für Schreibtische. In der neuen Arbeitswelt ist das Büro eine soziale Plattform. Es dominieren Meetingräume und „Social Areas“ wie Cafeterias. Menschen kommen heutzutage vor allem ins Büro, um mit anderen Menschen zu interagieren.

Was bringt Unternehmen die Umstellung auf neue Arbeitsmodelle?

Wir bieten Unternehmen eine wissenschaftliche Begleitung bei diesem Prozess und messen auch die Veränderungen. Die Mitarbeitermotivation steigt um bis zu 15 Prozent. Die Produktivität nimmt um 5 bis 10 Prozent zu.

Welche Praxistipps geben Sie Unternehmen, die diese „New World of Work“ in Ihrem Unternehmen umsetzen wollen?

Den ersten Schritt nenne ich „Envisioning“. Das heißt: Die Unternehmensführung überlegt sich, was sie mit der Umstellung der Arbeitsbedingungen eigentlich erreichen will. Wenn ich das Unternehmen berate, gehe ich daher mit den Vorständen meist eineinhalb Tage lang in Klausur. Dort entwickeln wir dann gemeinsam ein Zielbild.

In einem zweiten Schritt erstellen wir eine Transformations-Landkarte. Das bedeutet, dass die unterschiedlichen Geschwindigkeiten für den Change-Prozess festgelegt werden. Dann beginnt der dritte Schritt – die Detailarbeit. Man muss sich etwa fragen: Welche Unternehmensbereiche sollen künftig wie mobil und wie flexibel arbeiten?

Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Das Team am Empfang wird weniger mobil arbeiten als die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Marketing-Abteilung. In einem vierten Schritt werden die Spielregeln, die sogenannten „Rules Of Engagement“ festgelegt und niedergeschrieben. Und der fünfte Schritt ist dann der Roll Out.

Wichtig ist: Alle Veränderungen müssen so implementiert werden, dass sie messbar sind. Und am Ende des Prozesses müssen die Ergebnisse evaluiert und ausgewertet werden. Während der gesamten Umstellungsphase ist es übrigens wichtig, dass auch Fehler passieren. Denn daraus können wertvolle Rückschlüsse gezogen werden. Eine neue Fehlerkultur ist für den Prozess entscheidend.”

Quelle : http://www.modernoffices.at/einrichtung-arbeiten/das-moderne-buero-ist-eine-soziale-plattform

Zu modernoffices: http://www.modernoffices.at

eEtiquette bei der Arbeit

image

Seit den 70er Jahren gibt es intensive Forschung zum Verhaltensweisen und –normen am Arbeitsplatz. Durch die Flexibilisierung und Digitalisierung der Arbeitsplätze in grosser Menge in den letzten 10 Jahren, bilden sich auch massiv neue Verhaltensformen und Verhaltensregeln heraus. Ein Artikel von Bettine Dobe in Computerwelt beschreibt einige dieser Verhaltensformen und gibt Empfehlungen:

“Während des Meetings E-Mails und SMS schreiben? Vom Home Office aus im Schlafanzug am Conference Call teilnehmen? Wie benimmt man sich in der digitalen Arbeitswelt richtig?

Damen wird die Tür aufgehalten, mit vollem Munde spricht man nicht, und wer niest, entschuldigt sich: Für die analoge Welt haben wir jede Menge Regeln, die das Zusammenleben lenken. Das digitale Zeitalter ist aber zu rasch über uns hereingebrochen, als dass die Gesellschaft schon digitale Knigge-Regeln hätte entwickeln können. Viele Fragen bleiben unbeantwortet: Ist es zum Beispiel in Ordnung, in einem Meeting kurz eine Email zu beantworten? Wie verhält man sich richtig in einer Videokonferenz? Und wie sollte man Emails schreiben, ohne dem anderen auf den Schlips zu treten?

Diese Fragen hat sich auch ein Team der Telekom gestellt und dazu die Studie "eEtiquette@work – Empfehlungen für die Zusammenarbeit in der digitalen Welt" durchgeführt. Gemeinsam mit Wissenschaftlern, Powernutzern und der Deutschen Knigge Gesellschaft erarbeiteten sie neue "Benimmregeln" für die digitale Zusammenarbeit. "Das sind aber keinesfalls feste Regeln, die jeder einhalten muss", sagt Julia Leihener, Projektleiterin der Telekom und Verantwortliche im Bereich nutzerorientierte Forschung und Innovation. Sie betrachtet die Empfehlungen eher als Vorschläge dafür, wie man digital besser miteinander umgehen kann.

Das Thema brennt vielen auf den Nägeln: Auf der Website eetiquette.de/ diskutierten Nutzer fleißig darüber, wie man sich zum Beispiel auf Facebook verhalten und ob man sein Date googeln sollte. Mehr als 150 Empfehlungen sind dort nachzulesen, einige stellen wir hier vor.

SMARTPHONE WEG, PROJEKTARBEIT!

Aus zähen Meetings ist vielen die Situation bekannt: Alle starren auf ihr Smartphone oder das Laptop, nur nicht auf den, der gerade seine Ergebnisse präsentiert. Das ist weder höflich, noch kommunikativ. Schuld daran ist nicht nur eine oft langweilige Präsentation (und falsche Meetingteilnehmer), sondern auch eine kaum noch zu bewältigende Arbeitslast. "Man muss mit den Email-Bergen klarkommen – und nutzt eben jede Minute dafür, sie abzubauen", sagt Leihener. Sie rät dazu, in Treffen und Präsentationen nicht auf Smartphone, Laptop und Co. zu blicken.

Leihener plädiert gegen die Wand aus Laptops im Meetingraum und bemüht eine Analogie, um Chefs davon zu überzeugen, dass nur der Präsentierende einen PC braucht. "Stellen Sie sich vor, alle würden nur noch in Autos mit getönten Scheiben sitzen. Das wäre doch furchtbar", sagt sie. Ein sinnvoller Austausch kann im Meeting nicht stattfinden, wenn alle versuchen, mit Multi-Tasking Emails zu beantworten und gleichzeitig der Präsentation zu folgen. Für das nächste Treffen: Laptops weg und zuhören. Das kann die Meetingzeit verkürzen, verhindert Nacharbeit und macht das Treffen an sich deutlich produktiver.

SMARTPHONE-PAUSEN FÜR SÜCHTIGE

Nicht nur das Laptop oder Tablet sind ein Problem während eines Meetings: Wie überzeugt ein Chef seine Mitarbeiter davon, ihr Handy in der Hosentasche zu lassen? Das kann mit einem einfachen Trick gelingen. "Man kann eine feste Smartphone-Pause im Meeting einplanen", schlägt Leihener vor. Sie selbst hat das in Treffen bereits ausprobiert und festgestellt, dass die Teilnehmer konzentrierter bei der Sache seien, wenn sie wüssten, dass sie bald genügend Zeit für das Beantworten von Emails hätten. "Die Smartphone-Pause hat die Raucherpause ersetzt", lacht sie.

Aber ein Internet-Verbot während eines Treffens möchte sie keinesfalls aussprechen. Komplett ohne Smartphone, Teablet und Co. ins Meeting zu kommen, ist ohnehin unrealistisch und unpraktisch. "Wer einen Termin ausmachen will, schaut oft auf seinen digitalen Kalender. Dafür braucht man sein Smartphone", sagt sie.

ES GIBT KEINE INFORMATIONSFLUT

Dass Emails an sich ein Problem sein können, darüber jammern viele Wissensarbeiter. Doch wie dem Ganzen Herr werden? Echte Strategien gegen die Email-Flut haben nur wenige Unternehmen. Doch auch dafür hat Leihener mit ihrem Team eine Gegenstrategie entwickelt. "Viele Menschen stellen zum Beispiel ihre Email-Programme nicht optimal auf die eigenen Bedürfnisse ein", sagt Leihener. Der eine kann das Ping einer neuen Email gut ignorieren und konzentriert weiter arbeiten, den anderen stört es aber kolossal. Insgesamt trägt die Standardeinstellung dazu bei, dass Emails die meisten Berufstätigen eher nerven. "Es gibt so viele Software-Einstellungen, die sinnvoll sind – nur nutzt sie kaum jemand", sagt Leihener. Regel Nummer 23 der eEtiquette lautet nicht von ungefähr: "Es gibt keine Informationsflut, nur schlechte Filter."

Zu den Filtern gehört auch der Ausknopf. "Man muss lernen, dass Smartphone ab oder auf Flugmodus zu schalten – sonst ist man Sklave des Mediums", sagt Julia Leihener. Die "Digitalen Öffnungszeiten" dürften nicht rund um die Uhr sein, rät sie. Ständig verfügbar zu sein, tut auf Dauer nicht gut. Nur sei es wichtig, diese Auszeiten den Teammitgliedern gut zu kommunizieren. Wer beispielsweise Ruhe braucht, um einen Text zu schreiben, sollte das deutlich machen. "Gut wären Räume, in denen man zum Beispiel keinen Empfang hat und in denen man sich ganz bewusst eine Auszeit setzen kann", schlägt Leihener vor.

FLEXIBILITÄT IST NICHT GLEICH UNZUVERLÄSSIGKEIT

Die zunehmende Flexibilisierung der Arbeitswelt erfordert ohnehin Auszeiten aller Art. Zwar bedeuten Home Office, Tele- und Teilzeitarbeit, dass viele Menschen von unterwegs oder zu ungewöhnlichen Zeiten arbeiten. Doch das heißt nicht, dass jeder jederzeit verfügbar ist. "Man muss sich schon an vereinbarte Zeiten halten und nicht willkürlich fünf Minuten vorher das Meeting absagen", sagt Leihener. Flexibilität ist nicht mit Unzuverlässigkeit gleichzusetzen. Wer gut digital zusammenarbeiten will, sollte die Knigge-Regeln aus dem echten Leben nicht vergessen. Wenn es beim Face-To-Face-Meeting unhöflich ist, 20 Minuten zu spät zu kommen, warum sollte es beim virtuellen Meeting anders sein?

VIRTUELLE KONFERENZEN

Auch in Video- oder Conference-Calls kann man sich digital daneben benehmen. "Checke vorher deine Wanddekoration", lautet zum Beispiel Tipp Nummer 28 zu Videokonferenzen. Urlaubsbilder und zusammengeknüllte Wäsche will kein Kollege sehen. Ein gezielter Einsatz der Stumm-Funktion während einer Telko vermeidet weitere Peinlichkeiten: Wer von unterwegs an einer Konferenz teilnimmt, kann seine Mithörer mit Motorengeräuschen, Zugdurchsagen oder Essgeräuschen stören.

Welche Blüten die Flexibilität der Arbeitswelt treibt, beschreibt eine Studienteilnehmerin, die dank der Mute-Funktion während einer langen Telefonkonferenz duscht. Wer sich nicht lautlos stellen kann, weil er tatsächlich etwas wichtiges zu sagen hat, sollte dies auch den anderen Mitbewohnern in Haus, Wohnung oder WG sagen – sonst hört das gesamte Team, wie der DJ-Mitbewohner sein Set für den Abend mischt.

DRESSCODE AUCH IM HOME OFFICE

Eine weitere wichtige Regel für das neue Arbeiten in der digitalen Welt: Leihener rät dazu, sich auch im Home Office ordentlich anzuziehen. Es muss ja nicht gleich der Anzug mit Krawatte sein, aber falls auf einmal ein Video-Chat ansteht, sollte man präsentabel sein. "Außerdem ist man einfach konzentrierter, wenn man sich richtig angezogen hat", sagt Leihener.

"Beim Home Office hat der Tag einfach weniger Struktur, deshalb ist es mir schon mal passiert, dass ich den ganzen Tag im Schlafanzug am Laptop gesessen habe. Man bekommt dann nicht so schnell die Kurve, auch andere Dinge zu erledigen", beschreibt ein Studienteilnehmer seinen Pyjama-Arbeitstag. Geduscht und angezogen erledigen sich die Dinge fast schon von allein.

REDET DARÜBER!

Die neuen Möglichkeiten der Kommunikation erfordern übrigens genau das: Man sollte darüber reden, wie man miteinander kommunizieren möchte. Jeder arbeitet mit anderen Kommunikationsmitteln unterschiedlich gut. Der eine zieht Emails vor, der andere ein rasches Telefonat. "Am besten spricht man sich mit seinen Teamkollegen ab, wie man am liebsten kommuniziert", rät Leihener.

Wie ausgefeilt und weit gereift digitale Technik heute auch sein mag – persönliche Treffen ersetzen eine Email oder ein Online-Chat nicht. "Virtuelle Teams sollten sich vor Arbeitsbeginn auf jeden Fall treffen – wer seinen Kollegen kennt, arbeitet produktiver", sagt Leihener. Und übrigens: "Die besten und kreativsten Ideen kommen oft in der Kaffeepause zustande oder wenn man sich zufällig begegnet", fügt Leihener hinzu. Das geht natürlich nur, wenn man auch im Büro anwesend ist.

Überhaupt werde oft die Menschlichkeit vergessen: Wer am Telefon lächelt, kann gleich bei seinem Gesprächspartner punkten. "Dein Gegenüber ist wichtiger als dein Tweet", lautet darum Regel Nummer 2 und Regel Nummer 9: "Am Ende der Leitung sitzt immer ein Mensch."”

Quelle Text: http://www.computerwelt.at/news/karriere/arbeitsplatz/detail/artikel/105935-eetiquette-bei-der-arbeit-so-geht-digitale-hoeflichkeit/

Quelle Bild:
http://www.fem.com/lifestyle/artikel/benimmregeln-eetiquette-hoeflichkeit-2.0

image

So der Tenor eines aktuellen Artikels im Spiegel, der mich sehr bewegt hat. Liegt hier ein Megatrend vor? Mir fehlen die Daten, um das beurteilen zu können. Gefühlt und wahrgenommen in meinen Netzwerken, könnte der Punkt valide sein. Anja Tiedge rollt das Thema in ihrem Artikel sehr polarisierend und bewegend auf: http://www.spiegel.de/karriere/ausland/escape-the-city-londoner-berater-vermitteln-konzernaussteigern-jobs-a-990673.html

Danke an Marcus Izmir für den Hinweis – you made my day. Denn der Artikel motiviert zum weiteren Nachdenken und Reflektieren. – Bildquelle: http://www.spiegel.de/fotostrecke/escape-the-city-londoner-berater-vermitteln-konzernaussteigern-jobs-fotostrecke-118763.html

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 44 Followern an