Microsoft Österreich hat erste Ergebnisse aus der NWOW-Erfolgsmessung mit der IMC FH Krems veröffentlicht. Die NWOW-Erfolgsmessung dient dazu, die erzielten Veränderungen bei der Einführung neuer Arbeitsformen in klaren Zahlen, Daten und Fakten abzubilden und so die Fortschritte und Erfolge messbar machen zu können. Hier ein Auszug aus der Zusammenfassung von Microsoft auf Basis der Arbeiten von Stefan Schöls an der IMC FH Krems:
“Es war im Sommer 2011, als im Microsoft Office am Wienerberg die architektonischen Rahmenbedingungen für das neue Arbeiten geschaffen wurden. Bezeichnender Weise als ein Radikalumbau im Inneren, der helfen sollte, klassische Abteilungszuordnungen aufzubrechen, um inspirierende Office-Landschaften und Spielräume für vielfältige Ansprüche zu schaffen.
Der Umstand, dass dabei die äußere Hülle des Gebäudes unangetastet blieb, war nicht nur architektonisch von Belang. Er lieferte auch die Leitmetapher dafür, dass diese Transformation nur als kulturelle und von innen heraus gelingen kann. Mit der „Neuen Arbeitswelt“ wurde bei Microsoft eine Tür geöffnet, kein Ziel in Stein gemeißelt. Sie verlangt von allen Beteiligten erhöhte Achtsamkeit und wird an der Vielfalt der Persönlichkeiten, Arbeitsstile und Szenarien gemessen werden, die sie unterstützt.
Gegenwind? Die Haltung entscheidet!
Das ist umso wichtiger hervorzuheben, als am Horizont bereits erste Gegenströmungen sichtbar werden. Denken Sie nur an das kürzlich ausgesprochene Home-Office-Verbot bei Yahoo, die unterkühlten Betriebstemperaturen bei Facebook oder die Burnout-Thematik, die dieses Thema begleitet. Die andere Seite der Medaille heißt Boreout und ist mindestens ebenso bedrohlich. Laut aktueller Gallup-Umfrage haben 25% der Arbeitskräfte in Deutschland innerlich gekündigt und 61% versehen „Dienst nach Vorschrift“. Das sind erschreckende Zahlen. Zahlen, die zeigen, dass es so nicht weiter gehen kann. Arbeit darf, Arbeit soll wieder Spaß machen. Weil das Unproduktivste, das sich Unternehmen leisten, demotivierte Mitarbeiter sind. Gallup rechnet mit Produktivitätseinbußen von 138 Milliarden Euro.
96% interne Zustimmung für das Projekt „Neue Arbeitswelt“.
Mittlerweile sind knapp eineinhalb Jahre vergangen. Microsoft ist zum dritten Mal hintereinander zum „Besten Arbeitgeber Österreichs“ gewählt worden. Und am Wienerberg ist vieles der neuen Arbeitswelt bereits normal geworden. Zeit für ein Durchatmen, wie wir meinen. Die ersten Daten der Erfolgsmessung sind verfügbar und geben dazu den perfekten Anlass: Wo steht das Microsoft Projekt? Was läuft gut? Wo muss nachgebessert werden? Was muss neu gedacht werden? Und wo wurden die Erwartungen übertroffen? Erwartungen, die Georg Obermeier, CEO von Microsoft Österreich, folgendermaßen kommentiert: „Unser vorrangiges Ziel mit dieser Erhebung war es, den Change-Prozess, den wir mit dem Office-Umbau 2011 eingeleitet und durch unterschiedlichste Maßnahmen flankiert haben, so präzise und einfühlsam wie möglich zu begleiten. Denn wir gehen davon aus, dass es vor allem die Learnings sein werden, die uns auf dieser Reise weiterbringen.“
Vor diesem Hintergrund waren die ersten Ergebnisse kontraproduktiv. Das Problem: die Zahlen waren einfach zu schön, um ernst genommen zu werden – ein Fressen für jede PR-Abteilung, aber kritisch zu hinterfragen, wenn es darum geht, einen Kulturwandel zu begleiten. Statt also die Ergebnisse für bare Münze zu nehmen und hinauszuposaunen, dass die Mitarbeiter nach knapp eineinhalb Jahren neuer Arbeitswelt um 30% zufriedener und um 50% produktiver sind, bei einer um 25% erhöhten Work-Life-Balance, ging man bei Microsoft Österreich in sich, stellte die Zahlen in Frage und lieferte damit indirekt einen mehr als überzeugenden Beweis, dass das Projekt „Neue Arbeitswelt“ tatsächlich kulturverändernd und eben kein Etikettenschwindel ist.
Dazu Alexandra Moser, Business Group Lead, Microsoft Office Division: „Wir sind bei diesen Ergebnissen einfach stutzig geworden und haben uns dann noch einmal genauer angeschaut, wie sie zustande kommen – mit dem Fokus, Zahlen zu erhalten, die in erster Linie nicht nach außen glänzen, sondern für unser Projekt erkenntnisfördernd sind.“
Die neue Welt der Arbeit verlangt den Blick nach innen, einen Blick, der tiefer geht. „Topbox-Auswertungen tun das nicht“, wie Alexandra Moser ergänzt, „weil sie durch die Konzentration auf die Spitzenwerte eigentlich nur jenen Mitarbeitern eine Stimme verleihen, die in diesem Veränderungsprozess voranlaufen. Uns geht es jedoch darum, die ganze Stimmungslage einzuholen und damit auch die Fehltöne und Störgeräusche an den Reibungsflächen wahrzunehmen. Weil wir der Überzeugung sind, dass dieser Prozess nur dann ein nachhaltiger sein kann.“
12% weniger Miet- und Betriebskosten. 8% weniger Stromkosten.
Ergebnisse und Learnings
Dass die Einführung neuer Arbeitsweisen auch polarisieren kann, weil der Veränderungszug für die einen zu schnell, für die anderen zu langsam fährt, wird gerne übersehen. Wenig überraschend, dass das Thema Work-Life-Balance dabei eine entscheidende Rolle spielt. Mit einem Durchschnittswert von 6,58 auf einer zehnteiligen Skala ist bei der Bewertung der Situation trotz einer Verbesserung von 0,3% noch jede Menge Luft nach oben; wobei an dieser Stelle festzuhalten ist, dass die Gesamtzufriedenheit in der österreichischen Niederlassung mit 8,40 unverändert hoch ist und das Projekt „Neue Arbeitswelt“ mit 96% Zustimmung auf enormen Rückenwind bauen kann. Die MitarbeiterInnen sind stolz, Teil des Projekts zu sein, was in Zeiten des Fachkräftemangels einen besonderen Stellenwert hat. So erfolgen 33% der Job-Bewerbungen bei Microsoft heute bereits über Empfehlungen.
9% weniger Telefonkosten durch den Einsatz von Lync.
Doch zurück zum Thema Work-Life-Balance. Positiv hervorgehoben wird dabei die vermehrt genutzte Zeit im Home Office (Anstieg um 13,7%), die mittlerweile bei 11 Stunden pro Woche liegt und die stark reduzierte Zeit, die MitarbeiterInnen für das Pendeln zwischen Wohnort/Kunde und Microsoft Büro aufwenden. Durchschnittlich verbringen die Befragten 5,41 Stunden pro Woche auf der Straße, was einen starken Rückgang um 15,2% im Vergleich zu 2011 entspricht. Pro Jahr kann damit im Schnitt eine ganze Arbeitswoche durch verringertes Pendeln eingespart werden. Das erklärt auch den hohen Durchschnittswert von 8,62, den die gesteigerte Flexibilität durch den fließenden Übergang von Beruflichem und Privatem erhält.
Dass gerade beim ideologisch aufgeladenen Thema Home Office die abrupten Veränderungen ausblieben, stellt Alexandra Moser mit Zufriedenheit fest: „Die Angst, dass die MitarbeiterInnen die neue Arbeitswelt mit Home Office verwechseln, erwies sich als unbegründet. Wir verbringen heute im Schnitt 3,89 Tage pro Woche im Office, was zwar einem leichten Rückgang von 5,1% entspricht, gleichzeitig jedoch zeigt, dass sich der Wert gut einpendelt.“
Das E-Mail-Aufkommen im Unternehmen hat sich um 20% reduziert.
Entscheidend dabei ist, dass durch den Einsatz moderner Kommunikations- und Kollaborationstools (Instant Messaging, Desktop Sharing, Videoconferencing) die Erreichbarkeit der MitarbeiterInnen nicht gelitten hat, sondern sogar gesteigert werden konnte – um 4,8% von bereits sehr guten 8,48 auf 8,89. Als international agierendes Unternehmen hatte man dabei sicherlich einen gewissen Startvorteil, weil hybride Meetings, in denen bestimmte Leute physisch, andere virtuell anwesend sind, bei Microsoft Österreich schon länger zum Alltag gehören. Kontrastierend dazu suchen 62% der MitarbeiterInnen trotzdem noch jeden Tag den möglichst gleichen Schreibtisch, wenn sie im Büro sind – was Alexandra Moser mit einem Schmunzeln kommentiert: „Natürlich hatten wir da eine größere Beweglichkeit im Hinterkopf, weil wir davon ausgingen, dass wechselnde Arbeitsnachbarschaften zusätzlich inspirierend sind. Auf der anderen Seite zeigt uns dieses Detail, dass Flexibilität und Dynamik ohne stabilisierende Faktoren nicht gedacht werden können. Hier wird die Theorie von der Praxis eines Besseren belehrt – auch das müssen wir ernst nehmen.“
Unterm Strich geht es hier um sehr persönliche Einschätzungen der Rahmenbedingungen für Kreativität, Effizienz und Produktivität. Dass hier die Meinungen zum Teil auseinander gehen, liegt in der Natur der Sache. Ideologisch zementierte Vorgaben bringen hier wenig. Hier zählt der Freiraum bei der individuellen Auslegung und Gestaltung. So sagen 76% der MitarbeiterInnen, dass das neue Büro einen positiven Effekt auf ihre Kreativität im Job hat und 90% sind der Überzeugung, dass das Arbeiten heute mehr Spaß macht. Dabei stieg der Durchschnittswert für die Bewertung des Einflusses des neuen Büros auf die Kreativität um ganze 167%, während der Grad der Arbeitsbelastung erfreulicher Weise um 1,2% sank.
Die Produktivität stieg in der österreichischen Niederlassung um 3,5%. Um 2,1% in der Abteilung. Und individuell ebenfalls von 8,68 auf 8,76.”
Quellen: http://www.microsoft.com/austria/enterprise/article.aspx?Id=Auf+dem+Weg+zur+neuen+Arbeit
Weiterführende Informationen auf dem Business Ready Blog von Wolfgang Tonninger:
http://businessreadyblog.wordpress.com/2013/05/07/der-weg-zur-neuen-arbeit-ist-keine-autobahn/