RMW: Persönliche Eignung für mobiles Arbeiten

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Mobiles Arbeiten ist nicht für alle da. Bzw. für wen ist mobiles Arbeiten geeignet im Betrieb. Dieser Punkt steht ganz oben auf der Liste der Hausaufgaben, vor oder bei der Einführung mobiler Arbeitsweisen zu erledigen sind. Eine Perspektive zur Klärung dieses Punktes ist die Kompatibilität von Jobrollen mit mobilen Arbeitsweisen, wie im vorherigen RMW-Artikel gezeigt wurde. Die zweite Perspektive stellt die der persönlichen Eignung dar. Hier geht es also nicht mehr um die mehr technisch-administrative Frage, der Jobrolle einer Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters, sondern um die persönliche Eignung. Was verbirgt sich also hinter dem Begriff “persönliche Eignung”? Im Grunde sind es drei Aspekte, die betrachtet werden können, die aber eng miteinander verwoben und deswegen nicht ganz trennscharf sind. Dennoch lohnt es sich, diese separat zu diskutieren:

  • Individuelle Arbeitsweise einer Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters
  • Stärken und Schwächen einer MitarbeiterIn ‘on the job’
  • Entwicklungsziele

Alle drei Ansatzpunkte werden im Folgenden erläutert:

Individuelle Arbeitsweisen

Hierzu ein Beispiel: In unserer Forschung an der IMC FH Krems haben wir in Betriebsorganisationen, die auf mobiles Arbeiten setzen, beobachtet, dass der elektronische Kalender zum Dreh- und Angelpunkt der Koordination von Kommunikation und Zusammenarbeit wird. Das Führen und Teilen des elektronischen Kalenders ist somit Grundvoraussetzung. Nutzen MitarbeiterInnen den elektronischen Kalender nicht oder nicht hinreichend, wird mobiles Arbeiten und die Kommunikation mit und zwischen mobil arbeitenden KollegInnen vergleichbar mit dem Spiel “Schiffe versenken”. Die Konsequenz sind sinkende Produktivität des Betriebes und abnehmende Zufriedenheit der MitarbeiterInnen. Von daher besteht besteht eine der Grundanforderungen an MitarbeiterInnen, die mobil Arbeiten können sollen, darin, dass diese bereit und fähig sind, einen elektronischen Kalender zu führen. Die gute Nachricht: Dies ist grundsätzlich eine Kompetenz, die sich im Zuge betrieblicher Weiterbildung erlernen lässt.  Das trifft den Kern der Sache aber nicht vollkommen: Eine MitarbeiterIn oder ein Mitarbeiter mag technisch und organisatorisch fähig sein, einen elektronischen Kalender zu führen. Es besteht aber nicht der Wille oder die Disziplin, das auch durchzuziehen. Das bringt uns auf den nächsten Punkt, den der Stärken und Schwächen.

Stärken und Schwächen ‘on the job’

Auch dieser Punkt lässt sich am Besten mit einem Beispiel erklären. Ca. 5% der MitarbeiterInnen wissen von sich selbst, dass ihnen beim mobilen Arbeiten speziell Zuhause drei Gefahren drohen: Das ist das Sofa, der Kühlschrank und die Waschmaschine. Das eigentliche Thema das dahinter steht, betrifft  den Umgang mit Ablenkungen und die Fähigkeit zu fokussieren. Diese Gruppe von MitarbeiterInnen bevorzugt bewusst das Arbeiten im Firmenbüro. Um es auf eine einfache Formel zu bringen: Der Gruppendruck im Firmenbüro hilft dieser Gruppe über den Arbeitstag den Fokus zu halten. Dieser Umstand ist nicht negativ zu beurteilen, sondern im Gegenteil: Wem der Punkt bewusst ist, kann damit auch umgehen. Und das Arbeiten im Firmenbüro ist dann ein wirksamer Hebel. Es gibt andere Strategien, z.B. Rituale: Männer die Anzug und Krawatte im Home Office anziehen, um für sich selbst eine klare Grenze zu ziehen. Oder Frauen, die sich komplett durchstylen, als ginge man ins Firmenbüro. Das Beispiel zeigt auf jeden Fall: Ob eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter mobil arbeiten kann und soll ist nicht nur eine Frage der Arbeitsweise, sondern auch der Stärken und Schwächen ‘on the job’. Auch hier gilt: MitarbeiterIn und Führungskraft können mit Weiterentwicklungsmaßnahmen ansetzen, um auch in dieser Dimension eine Eignung zu erzielen. Dass eine MitarbeiterIn für das mobile Arbeiten nicht geeignet ist, ist kein finales Urteil. Sondern durch Weiterbildung und Coaching durch die Führungskraft kann eine entsprechende Eignung erreicht werden. Und dann hilft z.B. auch, die Genehmigung, mobil arbeiten zu können, temporär zu erteilen, um gemeinsam mit dem Mitarbeiter oder der Mitarbeiterin zu testen “wie es läuft”.

Entwicklungsziele

Im dritten Punkt geht es speziell um Entwicklungsziele von MitarbeiterInnen. Wenn das Ziel ist, on the job fachliche oder persönliche Kompetenzen zu erlangen oder auszubauen, so wirkt mobiles Arbeiten kontraproduktiv. Deswegen wird z.B. bei BerufseinsteigerInnen in den ersten Monaten vom mobilen Arbeiten oft Abstand genommen oder mobiles Arbeiten sehr restriktiv gehandhabt. Oft wird die Abstinenz vom mobilen Arbeiten sogar von den jeweiligen MitarbeiterInnen getriggert. Interessant ist in dem Zusammenhang das Beispiel einer Unternehmensberatung: Das Unternehmen hatte mobiles Arbeiten gerade frisch eingeführt. Die massive Nutzung der mobile Working Option durch die senioren BeraterInnen des Unternehmens speziell an Freitagen war wiederum der Grund für junge BeraterInnen, das Unternehmen schnell wieder zu verlassen. Der Grund: Üblicherweise ist der Freitag in Unternehmensberatungen der gemeinsame Bürotag. Und an diesen Bürotagen passieren 80% der Vernetzung und des Projekt-übergreifenden Know-How-Transfers. Beide Punkte waren für JungberaterInnen im Unternehmen plötzlich nicht in greifbarer Nähe. Nachdem die Ursache der Kündigungen erkannt war, konnte das Problem schnell und einfach behoben werden. Was es aber zeigt ist, welchen Stellenwert – in diesem Fall – junge BeraterInnen, die am Anfang ihrer Karriere stehen, dem persönlichen Miteinander im Firmenbüro eingeräumt haben.

Den Stellenwert des Miteinanders im Firmenbüro und des Arbeitens im Firmenbüro werde ich in einem der nächsten Artikel diskutieren. Zuvor ist es aber wichtig, die Checkliste vor Einführung mobiler Arbeitsweisen komplett zu durchforsten. In den letzten drei Artikeln haben wir uns mit einem zentralen Punkt beschäftigt, und zwar der Frage: “Wer darf und soll mobil arbeiten?”. Die Checkliste umfasst aber weitere Themen, die abzuarbeiten sind, damit mobiles Arbeiten nachhaltig im Betrieb zum Funktionieren kommt.

#rmw; #newwork; #newworldofwork; #imcfhkrems; #newworkhouze

Bildquelle und weitere Informationen zum Thema “Persönlichkeit”: https://gedankenwelt.de/was-ist-deine-persoenlichkeit/