RMW: Welche Jobs für mobiles Arbeiten geeignet sind

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Im vorherigen RMW-Artikel (Rules for Mobile Working) hatte ich darauf hingewiesen, dass vor der Einführung mobiler Arbeitsweisen im Betrieb eine erfolgskritische Hausaufgabe erledigt werden muss, die zugleich Fingerspitzengefühl als auch Konsequenz erfordert. Und zwar geht es darum, eindeutig zu klären, welche Jobrollen im Unternehmen für das mobile Arbeiten geeignet sind und welche nicht. Hierfür ist es erforderlich, entweder eine Positivliste oder eine Ausschlussliste zu erstellen. Zumeist wird diese vom Führungsteam erarbeitet und dann mit dem Betriebsrat und MitarbeiterInnen abgestimmt. Die Alternative ist, gleich ein gemischtes Arbeitsteam aus MitarbeiterInnen, Betriebsrat und Führungskräften zu bilden, das gemeinsam das Thema voranbringt.

Worum es in dieser Abstimmung geht, ist zu identifizieren, welche Jobrollen mit mobilen Arbeitsweisen kompatibel oder nicht kompatibel sind. Was das bedeutet, lässt sich anhand von ein paar Beispielen verdeutlichen. Hier zunächst drei Beispiele für Jobrollen, die nicht im ersten Schritt nicht kompatibel sind:

Rezeption: Die erste Anlaufstelle im Firmengebäude bleibt heute zumeist physisch mit MitarbeiterInnen besetzt. Mobiles Arbeiten ist mit dieser Funktion nicht kompatibel. Ausnahmen bestätigen die Regel, wie z.B. bei PWC in Amsterdam.

Generell Jobrollen mit direktem Face-to-Face Kundenkontakt: Bei der Einführung mobiler Arbeitsweisen geht es ja nicht darum, Geschäftsprozesse zeitgleich grundlegend zu verändern und die sogenannten Customer-Contact-Points zu redesignen. Wenn man davon ausgeht, dass der Betrieb so weiterlaufen soll, wie bisher, dann werden Jobrollen mit direktem Face-To-Face-Kundenkontakt erst einmal vom mobilen Arbeiten ausgeschlossen. Das Beispiel der Bank Austria in Österreich zeigt, dass natürlich dieses Paradigma in Frage gestellt werden kann, weil hier KundenbetreuerInnen remote arbeiten. Aber ein Schritt nach dem anderen. Nach der Einführung mobiler Arbeitsweisen, können derartige Schritte folgen.

Assistenz/Sekretariat: Wird oft zunächst vom mobilen Arbeiten ausgeschlossen, weil diese Positionen den Fels in der Brandung darstellen, die fixe Anlaufstelle im superagilen Betriebsgewusel. Aber auch das relativiert sich in den meisten Betrieben nach einiger Zeit.

Interner IT Support: Zumindest der Desktop-Support ist ein weiteres Jobprofil, bei dem Präsenz einer Minimum-Crew vor Ort im Unternehmen wichtig ist. Denn, wenn MitarbeiterInnen-Notebooks beginnen zu bocken und zu stocken, dann hilft oft kein Remote-Zugriff mehr, sondern nur die Fehlerbehebung direkt am Gerät in einer definierten und gesicherten Netzwerkumgebung.

Für welche Jobrollen mobiles Arbeiten hingegen zumeist funktioniert – hier einige Beispiele:

Marketing

Produktmanagement

Controlling

Buchhaltung

Personalmanagement/HR

Kundenservice Innendienst, wenn der Kundenkontakt remote (Telefon, etc.) besteht und die technischen Voraussetzungen für ein Arbeiten von Überall gegeben sind.

Außendienst, z.B. im Vertrieb oder Customer Service. Für diese Gruppe bringt die Einführung mobiler Arbeitsweisen ohnehin keinen signifikanten Unterschied; aber immerhin darf dann jetzt offiziell, z.B. von zu Hause aus gearbeitet werden.

Welche Rollen mit mobilem Arbeiten kompatibel sind, kann tendenziell konservativer oder progressiver entschieden werden. Welche Richtung eingeschlagen wird, hängt ab von sehr weichen Faktoren ab, wie z.B. den Einstellungen der Stakeholder im Entscheidungsprozess und der generellen Unternehmenskultur und -werte.

Das Aufstellen einer Positiv- oder Ausschlussliste muss übrigens nicht freihändig erfolgen, sondern lässt sich weitgehend objektivieren, und zwar anhand von Entscheidungskriterien. Hierzu sollte im Rahmen einer sogenannten Workstyle-Analyse (#activitybasedworking) insbesondere analysiert werden:

  • Die Aufteilung der Arbeitszeit auf Grundtätigkeiten, die Präsenz in der Firma erfordern oder nicht, z.B. Einzelarbeitsphasen, Meetings, etc.
  • Die Aufteilung von Schreibtischarbeitszeiten in fokussierte und kollaborative Arbeitsanteile.
  • Besondere Arbeitsplatzanforderungen, wie z.B. doppelter Bildschirm.

Aus dem Gesagten wird bereits deutlich, dass mobiles Arbeiten überwiegend mit Büroarbeit kompatibel ist. Bei einem genaueren Blick auf den Produktionsbereich, relativiert sich dieser erste Eindruck ein wenig. Denn auch hier finden sich inzwischen Jobprofile mit hohem Wissensarbeitsanteilen, z.B. CNC-Programmierung. Aber der erste Eindruck hält auf nach näherer Betrachtung stand: Mobiles Arbeiten ist primär ein Instrument agiler Betriebsorganisation im Bürobereich. Ob Produktionsbereich oder Büroarbeit: Als kritischer Erfolgsfaktor bei der Einführung mobiler Arbeitsweisen erweist sich die Aufstellung einer eindeutigen Positiv- oder Ausschlussliste für alle Jobprofile des Unternehmens. Nur auf diesem Weg kann von von Anfang an vermieden werden, unnötige Erwartungen zu wecken, die nicht am Ende nicht erfüllbar sind, oder sogar eine Neidkultur im Unternehmen heranzuzüchten. Aus diesem Grund ist sowohl ein sensibler (Stakeholder-Einbindung) als auch konsequenter (Nein-Sagen) Umgang mit dem Thema kritischer Erfolgsfaktor bei der Implementierung mobiler Arbeitsweisen, wie Forschung an der IMC FH Krems zeigt.

#rmw; #newwork; #newworldofwork; #imcfhkrems; #newworkhouze

Bildquelle: https://miscellaneousnimrod.wordpress.com/2017/09/10/ueber-die-wonnen-dinge-zu-sortieren/