Ich bin dann mal (öfter) weg

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70 Prozent der Führungskräfte verlassen sich auf Führungsprinzipien, die auf Verhaltenskontrolle beruhen. In der Arbeitswelt von morgen hat das aber nichts verloren. – Ein Artikel von Karin Gulnerits in der Printausgabe des Wirtschaftsblatts vom 25.04.2014.

Wien. Sie kommen vor dem Chef ins Büro und lassen, auch wenn sie längst nicht mehr da sind, das Sakko über dem Bürostuhl hängen, den Laptop aufgedreht und die Schreibtischlampe an. Sie nehmen möglichst wenig Urlaub, arbeiten, wenn sie krank sind und beantworten Mails weit nach Feierabend. Was in der Fachwelt als Performismus bezeichnet wird, steht für Verhaltensweisen von Mitarbeitern, mit deren Hilfe Leistungsbereitschaft signalisiert wird-ohne dass unbedingt Leistung dahinterstehen muss. Weit verbreitet ist das Phänomen in Unternehmen, die vor allem auf Präsenzkultur und weniger auf Führen durch Ziele setzen.

Schwäche im System

Hier bleibt den Mitarbeitern oft nichts anderes übrig, als über solche Verhaltensmuster Leistung, Leistungswillen, Commitment und persönliche Wichtigkeit zu demonstrieren. "Den Mitarbeitern kann man das nicht vorwerfen. Das Verhalten wird durch Schwächen im Führungssystem ausgelöst",sagt Michael Bartz vom IMC an der Fachhochschule Krems und Autor des Buches "New World of Work" (Linde).

Fakt ist aber auch, dass stolze 70 Prozent der Führungskräfte sich auf Führungsprinzipien verlassen, die auf Verhaltenskontrolle beruhen. Sie beobachten also auch, wie sich Mitarbeiter am Arbeitsplatz verhalten. Doch das "Führen auf Sicht" hat laut Bartz in der Arbeitswelt von morgen nichts mehr zu suchen, auch wenn es die einfachste und vor allem eine sehr bequeme Form der Führung ist. "Die Führungskräfte sind die wahren Betroffenen in diesem Prozess. Sie müssen die meisten ihrer bisherigen Verhaltensweisen stark hinterfragen."

Andere Maßstäbe

Das heißt: Planerisches Agieren, Empathie, kommunikative Fähigkeiten und Führen über Werte und Ziele sind gefragt. Es braucht eine klare Unternehmensstrategie, die in einzelne Ziele runtergebrochen wird. Obendrein sollten Mitarbeiter motiviert werden, Entscheidungen zu treffen, Fehler zu machen (und aus diesen zu lernen),zu handeln, proaktiv zu sein. "Aber sich im Büro zu zeigen, sollte kein Kriterium sein, um Leistungsfähigkeit abzulesen", sagt Bartz. Aber auch die Mitarbeiter sind in dem Prozess gefragt. An ihnen liegt es, regelmäßige Coaching-bzw. Jahresgespräche und Zielvorgaben einzufordern. "Oft gibt es das in den Unternehmen, nur liegt es meistens brach." Unternehmen, die weg von der Präsenzkultur kommen wollen und ernsthaft bereit sind, ihr Führungsmodell umzustellen, brauchen vor allem Geduld. "Nach drei Jahren wird man erste Erfolge genießen können, aber da ruckelt es noch ordentlich im Unternehmen."Im Endeffekt dauert es fünf bis acht Jahre, bis sich die neuen Führungsmethoden gut etabliert haben.

Quelle Bild und Text: http://wirtschaftsblatt.at/home/life/karriere/1598274/Ich-bin-dann-mal-ofter-weg?from=suche.intern.portal

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