Mitarbeitererwartungen verändern sich

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(Chart zum Thema “Was ist MitarbeiterInnen wichtig?”, Quelle: Studie Alpbach 2012, Flexibles Arbeiten | Anzahl der Befragten: 137 Personen 130 Firmen

Claudia Weber schreibt am 14.11.2013 im Kurier über die Auswirkungen der Digitalisierung unseres Alltags auf den Arbeitsmarkt und die Veränderung der Ansprüche der MitarbeiterInnen an ihre Arbeitgeber. Hier der Artikel:

“Sie hatte alles, was junge Leute gerne wollen: Mit Anfang 30 einen festen Arbeitsplatz, ein geregeltes Einkommen weit über dem Durchschnitt und Ansehen. Doch die Grafikerin Judith Pammer tauschte das alles ein. Für ein Arbeiten in Freiheit. Für ihren Schreibtisch daheim und für die Unsicherheit, was sie sich nächsten Monat noch leisten kann.

Immer mehr Menschen wollen wie Judith aus der Festanstellung raus. Junge Menschen streben nach mehr Freiheit und Flexibilität am Arbeitsplatz. Und längst ist man in vielen Branchen nicht mehr vom Firmen-Serverabhängig. Digitalisierung, Mobilität und Vernetzung machen es möglich. Oft genügen Laptop und Handy und schon kann man arbeiten.

Always online

Digital Natives wird die junge Angestellten-Generation vielfach genannt: aufgewachsen in der digitalen Welt. Sie haben gelernt, sich im Web zurechtzufinden und leben mit der Informationsflut. Und das besser als ältere Generationen: Laut einer Studie des Hightech-Branchenverbandes Bitkom fühlen sich 61 Prozent aller Deutschen durch die Menge der Informationen gestresst. Bei den unter 30-Jährigen sind es nicht einmal 30 Prozent. Jedenfalls sind heute schon die meisten Mitarbeiter zwischen 20 und 40 nicht nur alwayson, also stets erreichbar, sie haben auch andere Ansprüche an ihren Arbeitgeber. Sie schätzen globales Teamwork und ihr Arbeitsplatz muss ihnen mehr bieten als nur ein attraktives Gehalt. In den nächsten Jahren wird sich dieser Trend noch verstärken, wie der Trendforscher Sven Gábor Jánszky in seinem Buch „2025–So arbeiten wir in der Zukunft“ beschreibt. Bei der Job-Entscheidung werden folgende Kriterien maßgebend sein:

1. Ist das Projekt für mich eine Herausforderung?

2. Macht die Aufgabe Sinn?

3. Arbeite ich mit interessanten Menschen zusammen?

Arbeiten unter Palmen?

Viele Unternehmen reagieren bereits auf die neuen Ansprüche ihrer Beschäftig- ten. So gibt es zum Beispiel bei der Deutschen Telekom Wikis, wo Mitarbeiter ihr Wissen einstellen können. Beim Softwarehaus SAP gibt es SAP-Talk, das Twitter ähnelt. Auch bei Siemens denkt man schon weiter: Um Kommunikation und Ideenreichtum über die Abteilungs-und Ländergrenzen hinaus zu fördern, verwendet die Siemens AG. „TechnoWeb“, eine unternehmensinterne Plattform. So können 35.000 Mitarbeiter aus über70 Ländern ein technisches Problem auf der Plattform posten und das Techno Web leitet diese Problemstellung an jene Experten weiter, die am wahrscheinlichsten helfen können.“90Prozent aller Anfragen werden erfolgreich beantwortet“, so Michael Heiss, Siemens AG Österreich Open Innovation und Scouting. Und auch bei Siemens kann man mittlerweile flexibel und nicht schreibtischgebunden arbeiten – an unterschiedlichen Plätzen im Unternehmen, unterwegs oder zu Hause.

Mut zur Veränderung

In der Wiener Mariahilfer Straße 84 befindet sich das Büro von Wolfgang Aigner. Die Wahrscheinlichkeit, dass er dort gerade auch hinter seinem Schreibtisch sitzt, ist sehr gering. Denn der Initiator der Genossenschaft „new World of Work“ lebt das vor, womit er sein Geld verdient: die künftige Arbeitsweise. Er und seine Kollegen beraten Firmen, wie sie sich für die Zukunft rüsten und umstrukturieren können, um auch in zehn bis 20 Jahren erfolgreich zu sein. Dabei werden Prozesse im Bereich IT und Organisation optimiert. Damit sparen sich Unternehmen Geld und werden für Bewerber attraktiver. „Unternehmen können es sich nicht leisten, sich nicht zu verändern“, sagt Aigner. Er hält die starren Strukturen und Arbeitsmodelle in vielen Branchen für nicht mehr zeitgerecht. „Man muss sich als Chef überlegen, was kann ich meinen Angestellten bieten, damit diese sich persönlich entwickeln können?“ Das Angebot von homeoffice sei nur der erste Schritt.

Mehr Freiheit bedeutet aber auch: Mitarbeiter brauchen die nötige Eigenverantwortung und Disziplin. Aufseiten der Unternehmen handelt es sich vor allem um eine Vertrauensfrage und die Fähigkeit, ein Stück Kontrolle abgeben zu können. „Die Angst des Kontrollverlustes ist sehr groß“, hat Aigner in den zahlreichen Gesprächen mit Geschäftsführern festgestellt. „Der Weg in die neue Arbeitswelt besteht aus einer Vielzahl von mehreren kleinen Projekten. Es beginnt damit, herauszufinden, welche Veränderung zu meinem Unternehmen passt und welche das geringste Risiko mit sich bringt.“

Trends zeigen, dass sich in zehn Jahren Unternehmen den Mitarbeitern anpassen werden. Bewerber haben dann die Wahl und werden sich die Firmen mit den attraktivsten Arbeitsstrukturen und Angeboten aussuchen. Schon jetzt zeigen Job-Bewertungsportale, dass die Macht der Arbeitnehmer zunimmt. Beim größten Internetportal für Jobbewertungen kununu.com gehen täglich um die 900 Berichte ein. So wurden mithilfe eines Punktesystems bis jetzt über 140.000 Unternehmen bewertet. Abgefragt werden unter anderen Kriterien auch jene wie Vorgesetztenverhalten oder Arbeitsatmosphäre. Manchmal kassiert der Arbeitgeber ein „Die geilste Firma, die es gibt!“ oder eben ein „Man kommt als Traube und geht als Rosine!“ Fairness wird dabei allerdings großgeschrieben. Mark Poreda, CTO von kununu: „Bewertungen, die weder den rechtlichen, noch unseren moralischen Richtlinien entsprechen, werden nicht veröffentlicht.“ Laut einer aktuellen Erhebung des Hightech-Branchenverbandes Bitkom liest bereits jeder vierte Internetnutzer Job-Bewertungen, mehr als zwei Drittel lassen sich dadurch in ihrer Entscheidung beeinflussen. Portale wie diese sind nur wenige Beispiele dafür, wie die digitale Revolution unsere Arbeitswelt verändert hat. Und die Digitalisierung hat gerade erst begonnen.”

image„Die heutigen Chefs müssen sich überlegen,
was sie ihren Angestellten zu bieten haben,
damit diese sich persönlich entwickeln können.“
Wolfgang Aigner,
Vorstand „new World of Work“

Quelle: Kurier Beilage BIG Career vom 14.11.2013

Weitere Infos: nWoW Consulting Blog

One thought on “Mitarbeitererwartungen verändern sich

  1. Pingback: Die Zukunft der Arbeit (16) – Die zunehmende Virtualisierung | der wissensarbeiter

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